Vom kosmischen Symbol zur ganzheitlichen Deutung II

Ein Nachschlagewerk von Baldur R. Ebertin

Wege zum Verständnis der Symbolik

Tagtäglich gehen wir mit Symbolen um, also mit Zeichen, die für einen sehr umfassenden Inhalt stehen. Wir sind also daran gewöhnt, eine bestimmte Form, Farbe, Struktur mit einer angenommenen Symbolik zu verbinden.

Denken wir in diesem Sinne an die Verkehrszeichen für „Hauptverkehrsstraße“, „Vorfahrt beachten“, „Einbahnstraße“. Im privaten Leben tragen wir an der linken oder rechten Hand einen Ring, um zu zeigen, daß wir mit einer anderen Person befreundet, verlobt oder verheiratet sind. Wer mit einem Computer arbeitet, weiß, daß Buchstaben- oder Tastenkombinationen für bestimmte Arbeitsabläufe stehen.

Symbolik der Träume

Wer sich einmal mit Traumdeutung befasst hat, weiß, daß es eine Reihe von Traum-symbolen gibt, die für viele Menschen eine gleiche oder ähnliche Bedeutung haben können. Die zahlreichen Bücher über Träume legen darüber beredtes Zeugnis ab. C. G. Jung spricht in diesem Zusammenhang von Archetypen, also Urbildern, die der gesamten Menschheit eigen sind und in Träumen auftauchen können.

Andererseits wissen wir aus der modernen Traum-Psychologie, daß ein Traum, ohne daß man den Träumer und seine Lebenssituation kennt, nicht adäquat und auf diesen bestimmten Menschen hin bezogen und verstanden werden kann.

Kosmische Symbolik und deren Bedeutung

Der Arzt, Maler und Kosmobiologe Dr. Heinrich Reich, der den „Tu-Anima-Bildertest“ schuf und sich ebenfalls intensiv mit der Symbolik der Astrologie auseinandersetzte, schrieb einmal (1):

„Während der Intellekt sich der Worte und Begriffe bedient, muß die Seele zu Symbolen greifen, um Unsagbares verständlich zu machen. Solche Symbole finden sich in der Astrologie als Planeten- und Tierkreiszeichen, zum Beispiel Sinnbilder für das Aggressive (Mars), das Joviale (Jupiter), das Mütterliche (Mond) oder ein Quadrat für eine Spannung und ein Trigon für Harmonie ...“

Aber wie steht es nun mit der Fülle der Symbole in einem Geburtsbild? Sie sollen etwas vermitteln, was mit uns selbst, unserem Charakter, unseren Gefühlen, unseren Anlagen und Eigenschaften, ja, unserem Schicksal zu tun haben soll.
Die Astrologen haben sich über die Jahrtausende hinweg immer wieder gefragt, ob die Stellung der Gestirne und ihre Bewegungen im Tierkreis irgendeine Bedeutung für die Natur, die Erde, den Menschen haben können. Und an dieser Stelle setzt seit Jahrhunderten der Streit zwischen Astronomen und Astrologen ein, den auch die Kosmobiologen mit ihrem Bedürfnis, Natur- und Geisteswissenschaften miteinander zu versöhnen, nur selten schlichten konnten.
Die Astronomen befassen sich beispielsweise mit der Beobachtung der Gestirne, ihrer Größe und Zusammensetzung, ihren Bahnen im Kosmos und deren Berechnung. Die Astrologen sehen in den Gestirnen und deren Bewegungen einen tieferen Sinn bis hin zu philosophischen und religiösen Überlegungen, verwenden aber für ihre Berechnungen und Zeichnungen die mathematisch-astronomischen Grundlagen der Astronomen.

Vom einzelnen kosmischen Symbol zur Kombination von Symbolen

Wenn wir in einem Geburtsbild (Kosmogramm) die Stellung von Sonne und Mond, den Planeten, Mondknoten, Aszendent, Medium Coeli und auch des einen und anderen weiteren Deutungsfaktors betrachten, können wir zunächst jeden einzelnen für sich selbst bewerten:

Symbol A
Symbol B
Symbol C

In diesem Sinne kann Symbol A für den Mars, Symbol B für den Merkur, Symbol C für die Sonne stehen. Das heißt, am Anfang jeder Deutung steht zuerst der ganze Symbol-inhalt mit allen seinen Facetten. Man kann die Qualität der Symbole abstrahieren, ganz für sich allein nehmen. In Wirklichkeit stehen aber die Gestirne und anderen Deutungsfaktoren an einer bestimmten Stelle im Tierkreis und nehmen daraus eine besondere Färbung an. Mit anderen Worten: Mars, der für Antrieb, Wille, Leistung steht, erhält durch seine Stellung in einem bestimmten Tierkreiszeichen eine Differenzierung in seiner Deutungsqualität. Wenn er im Tierkreiszeichen Löwe steht, nimmt seine Symbolik zusätzlich Qualitäten an wie „Öffnung, Darstellung, Anspruch, Raumgewinnung“. Eine „Übersetzung“ der kosmischen Symbolik von Mars und Tierkreiszeichen Löwe in unsere übliche Sprache kann dann lauten:

„Prestigeträchtige Objekte vorzeigen, darstellen, demonstrieren. Was gelungen ist, soll sich auch sehen lassen."

Steht der Mars dagegen im Tierkreiszeichen Jungfrau, dann können wir formulieren:

„Klare, überschaubare, methodische Tätigkeit. Arbeitsvorbereitung, Arbeitskontrolle.“

Mars im Tierkreiszeichen Wassermann bekommt wieder eine andere Qualität:

„Offen sein für neue Konzepte, Aufgaben, Methoden, Experimente. In die Zukunft wirken“.

Vergleich verschiedener Kosmogramme

Je mehr wir die Kosmogramme verschiedener Menschen, vor allem auch aus mehreren Jahrzehnten und Jahrhunderten, ansehen, miteinander vergleichen und uns mit ihrer Lebensgeschichte befassen, desto umfassender werden die individuellen Informationen, die wir aus ihren Geburtsbildern gewinnen können, bis hin zum Zeitgeist, unter dem diese Menschen gelebt haben, nachvollziehbar und verständlich. Dabei lernen wir einerseits, wie die kosmische Symbolsprache in unser übliches Vokabular übersetzt werden kann; andererseits können wir uns immer besser vorstellen, wie unsere Charakter-Struktur, unsere Gefühle und Stimmungen, unsere Erlebnisse und Erfahrungen sich in den Gestirnen und anderen Deutungsfaktoren im Tierkreis widerspiegeln.

Zwei und mehr Symbole und ihre Kombination

Wie ist es aber, wenn zwei und mehr Symbole miteinander verbunden sind? Ändert sich ihre Qualität in bestimmter Weise?
In solchen Fällen haben wir zuerst die Symbole A und B für sich allein zu bewerten. Darüber hinaus erhalten wir aber etwas Neues, wenn diese als sogenannte Konjunktion, ein Quadrat, ein Trigon oder einen anderen Winkel (Aspekt) miteinander verbunden sind.

Symbol A + Symbol B wird zur Kombination AB
Symbol A und Symbol B wenig integriert
Symbol A und Symbol B stärker integriert
Symbol B und Symbol C sind verbunden, jedes steht nur für sich selbst

Teile von A und B können nun über ihren Grundinhalt hinaus eine mehr oder weniger intensive Beziehung zueinander eingehen, nennen wir sie A-B. Dann haben wir herauszufinden, wie nun neben Qualität A und Qualität B die Kombination A-B aussehen kann.
Nimmt nun A mehr von B oder B mehr von A in sich auf? Diese Fragestellung wird immer wieder auftauchen, wenn man sich nicht nur mit einem Geburtsbild allein, sondern mit einer Vielzahl davon beschäftigt.
Um das zu verdeutlichen, stelle man sich ein Glas Wasser mit einem Löffel Honig vor. Die Verbindung Wasser-Honig kann so sein, daß der unverrührte Honig als Bodensatz im Wasser bleibt und sich nur begrenzt mit dem Wasser vermischt. Es kann aber auch so sein, daß der Honig im Wasser verquirlt wird. Er wird sich dann mit dem Wasser so vermischen, daß „Honigwasser“ entsteht.
Geben wir statt Honig Kandiszucker in das Wasserglas, wird es relativ lange dauern, bis er sich auflöst, aber letztlich erhalten wir Zuckerwasser. Würden wir nun einen Löffel Sand nehmen, müssten wir feststellen, daß sich Sand und Wasser zwar eine Zeitlang miteinander verwirbeln lassen, aber so etwas wie „Wassersand“ oder „Sandwasser“ würden wir niemals zuwege bringen.
Übertragen wir diese Beispiele auf die Beziehungen zwischen Symbolen untereinander, dann läßt sich nachvollziehen, daß je nach dem Inhalt der Symbol-Qualitäten Verbindungen unterschiedlicher Stärke möglich sind.
In der Praxis finden wir auch so etwas wie „Beziehungs-Losigkeit“; dann ist zwischen zwei und mehr Symbolen keine Integration und keine Verschmelzung möglich.
Komplizierter wird es, wenn es um drei Symbole, also A, B und C geht. Wir haben dann zunächst Symbol A, Symbol B und Symbol C für sich zu interpretieren und in ihrer Qualität einzuschätzen.
Ferner entsteht zunächst eine Zweierbeziehung im Sinne von A-B, A-C, B-C. Hinzu kommt dann noch die Integrationsmöglichkeit aus allen drei Symbolen A-B-C, wobei das Mischungsverhältnis offen bleiben muß, bis zusätzliche Informationen, z. B. durch Verhalten, Lebensgeschichte, Psychodiagnostik, gefunden wurden. Das sieht dann wie folgt aus:

Symbol A allein
Symbol A - B in Verbindung
Symbol A - B - C in Verbindung

Der Deutungsgehalt von Symbol A, B, C umfasst das ganze Symbol in einem Tierkreiszeichen, es ergibt sich dann eine  individuelle Kombination mit mehr oder weniger Integration von A und B zu A-B, und noch differenzierter und individueller wird dann die Beziehung zueinander von 3 Symbolen, wie wir sie beispielsweise in Aspekt-Strukturen wie dem geschlossenen Trigon oder den kosmischen Strukturbildern der Halbsummen finden.
In dem Nachschlagewerk von Dr. B. R. Ebertin, „Vom kosmischen Symbol zur ganzheitlichen Deutung“ wird diesen Möglichkeiten der Interpretation in bisher international einzigartiger Weise Rechnung getragen.

Ein Beispiel: Die Kombination Merkur – Jupiter – Uranus

Um die Differenzierungsmöglichkeiten zu zeigen, nehmen wir nochmals Bezug auf die dreigliedrige Grunddeutung von Merkur und die Schlüsselworte zu „Merkur als Faktor des Denkens und der Intelligenz“ im Teil I. In der Übersicht „Der Merkur im Tierkreiszeichen Stier“ wird gezeigt, welche weitere Differenzierung der Deutung nach Auffassung des Verfassers möglich ist. Es folgt dann die Differenzierung von Jupiter unter der Überschrift „Der Jupiter im Tierkreiszeichen Löwe“. Und darauf aufbauend werden die symbolischen „Verschmelzungsmöglichkeiten von Merkur und Jupiter  gezeigt.

Der Merkur im Tierkreiszeichen Stier

Konstitution:

Halswirbelsäule, Nerven für Hals, Rachen, Mandeln, Stimmbänder, Schilddrüse.

Ausdruck u. Verhalten:

Deutliche, gut hörbare Sprache und Stimme.

Psychosomatik:

 

Teifenpsychologie:

Wohlbefinden und Mißbehagen artikulieren wollen, bevor „alles im Halse stecken bleibt.“

 

Intelligenz:

Realitätsgerechtes, „greifbares“ Denken. „Sicherheitsdenken“. Bedächtige Überlegungen.

Wille und Leistung:

Emotionalität:

Kommunikation:

 

 

Gern praktische Themen im geselligen Kreis erörtern, sie „auswalzen“ können.

Erotik und Sexualität:

Interessen und Beruf:

 

Grund und Boden. Maklertätigkeit.
Hotel- und Gaststätten-Gewerbe.


Sechs von zehn Persönlichkeitsbereichen werden durch Merkur in Stier angesprochen. Weitere Differenzierungen würden die Grundessenz der Interpretation verwässern.

Der Jupiter im Tierkreiszeichen Löwe

Konstitution:

Stoßweise nervale Reizung des Stoffwechsel-Systems im Bereich von Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse.

Ausdruck u. Verhalten:

Demonstrative Großzügigkeit. Ausladende Gesten, auffallende Kleidung.

Psychosomatik:

 

Die Freude am Wohlleben kann zunehmend zur „dicken, hohlen Form“ werden.

Tiefenpsychologie:

 

„Vorzeigekind“. Immer gut angezogen. Die frühen Ansprüche an die Mitwelt..

Intelligenz:

 

Wille und Leistung :

Neigung zum Übermaß. Prestige und Erfolge präsentieren wollen.

Emotionalität:

 

Kommunikation:

Durch großspuriges Verhalten und unechte Äußerlichkeiten auffallen.

Erotik und Sexualität:

 

Interessen und Beruf:

Prominente Positionen. Vorsitzender, Präsident, Aufsichtsrat.

Sieben von 10 Persönlichkeitsbereichen werden durch Jupiter in Löwe angesprochen. Auch hier geht es um die Grundessenz der Aussage-Dimensionen.

Der Aspekt Merkur – Jupiter

Konstitution:

Die Nerven des Stoffwechsel-Systems wie Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse.

Ausdruck u. Verhalten:

Wortreiche bis weitschweifige Äußerungen

Psychosomatik:

 

Tiefenpsychologie:

 

Intelligenz:

Großer Wortschatz. Seinen Gedanken eine optimistische Färbung geben. Erfolgsorientiert denken. Sprachbegabung.

Wille und Leistung :

Seine Arbeit mit positivem Sinn erfüllen. Mit Verstand zu Wohlstand kommen.

Emotionalität:

 

Kommunikation:

Sich in Wort und Schrift öffnen und mitteilen können. Freude am Gespräch.

Erotik und Sexualität:

 

Interessen und Beruf:

Publizistisch, Artikel, Vorträge, Schriften, Bücher.

Zusätzlich zur Interpretation der Besetzung von Merkur im Zeichen Stier und Jupiter im Zeichen Löwe ergeben sich Aussagen aus der Kombination von  Merkur und Jupiter.
Wenn zwei Deutungsfaktoren miteinander zu verbinden sind, ergibt sich eine Differenzierung und Konzentration der Aussage gegenüber dem einzelnen Symbol.

Dreier-Strukturen

Merkur – Jupiter – Uranus
Jupiter – Uranus – Merkur
Uranus – Merkur – Jupiter
 

Konstitution:

Stoßweise nervale Reizung des Stoffwechsel-Systems im Bereich von Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse.

Ausdruck u. Verhalten:

 

Psychosomatik:

Zu schneller Abfluß von Verdauungssäften, dadurch Neigung zu Durchfällen.

Tiefenpsychologie:

Erziehung dazu, spontane Einfälle ernst zu nehmen und daraus etwas Sinnvolles zu machen.

Intelligenz:

Denkanstöße und Ideen aufnehmen und optimal realisieren können.

Wille und Leistung :

Vorausschauend disponieren und flexibel neue Aufgaben integrieren.

Emotionalität:

 

Kommunikation:

Den anderen in Denken und Agieren oft „eine Nasenlänge voraus“ sein.

Erotik und Sexualität:

 

Interessen und Beruf:

Progressive Ideen und Entwürfe. „Ideen-Schmiede“.

Nachdem die Deutungs-Dimensionen von Merkur, Jupiter und Uranus im jeweiligen Tierkreiszeichen und möglicherweise auch der eine und andere Aspekt zwischen ihnen, z. B. der Aspekt Merkur – Jupiter, erfasst wurde, kann nun die weitere Kombination von drei Faktoren, sei es als Struktur von drei Aspekten, sei es als Hambsummen-Kombination (Kosmisches Strukturbild, nach Reinhold Ebertin) erfasst werden.

Abwandlungen des Symbolgehaltes

In der Praxis zeigt es sich immer wieder, daß Klienten oder Patienten ein sogenanntes „phantastisches Horoskop“ haben. Betrachtet man aber diese Menschen und ihre Lebensgeschichte genauer, dann gewinnt man oft den Eindruck, daß sie bei weitem nicht das erreicht haben, was man nach Betrachtung des Kosmogramms als Charakter- und Persönlichkeits-Struktur erwartet hätte.
Im Gegensatz dazu gibt es Geburtsbilder, deren Analyse auf gravierende Belastungen im Leben des Kosmogramm-Eigners schließen lassen würde. Man ist dann überrascht festzustellen, was aus einem solchen Menschen im Laufe seines Lebens im positiven Sinne geworden ist.
Derlei Beobachtungen zeigen, daß es Abwandlungen des ursprünglichen Symbolgehaltes gibt. Solche Abwandlungen können jedoch nur nach Kenntnis der Person und ihrer bisherigen Lebensgeschichte erkannt und erschlossen werden.
Weil das so ist, wird in der kosmobiologischen Erweiterung der traditionellen Astrologie der Lebens- und Krankengeschichte, der Verhaltensbeobchtung, der Psycho-diagnostik ein hoher Wert beigemessen. Das Kosmogramm oder Geburtsbild eines Menschen einschließlich der mit ihm verbundenen planetaren Rhythmen muß nach kosmobiologischer Auffassung stets mit seiner bisherigen Lebensgeschichte verbunden werden. 

Auszug aus Ebertin,, B. R.,  Vom kosmischen Symbol zur ganzheitlichen Deutung. 672 Seiten, 40 Abbildungen, gebunden, 24.90 €. Zu beziehen über Ebertin-Institut Edition, Panoramastr. 15, 75323 Bad Wildbad, email: BREBERTIN@aol.com)

 
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