Mobbing - Menschliches Verhalten in der Gegenwart und Vergangenheit

Mit dem Begriff Mobbing werden heute zwischenmenschliche Verhaltensweisen bezeichnet, die in den westlichen Ländern in den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden sind, gravierende körperliche, seelische und auch wirtschaftliche Schäden auslösten und bis heute fortwirken. Hintergrund hierfür war und ist meistens die Angst um den eigenen Arbeitsplatz. Folge: Man muß die anderen einerseits „schlecht machen“, andererseits die eigenen Leistungen in den Vordergrund rücken.

Natürlich können wir davon ausgehen, daß es unabhängig von der täglichen Arbeit schon immer Möglichkeiten gab, anderen Menschen zu schaden oder sie sogar zu vernichten. Überkommene Beispiele dafür sind Ausdrücke wie:

"Dem werden wir mal zeigen, wo der Bartel den Most holt!"
"Den würde ich am liebsten windelweich schlagen! "
"Dieses Weib soll doch der Teufel holen! "
"Diese Person werde ich bewußt bei ihren Freunden anschwärzen! "
"Diese Frau sollten wir einfach wie Luft behandeln!"
"Die sollen noch an mich denken! "

Der aus dem Amerikanischen übernommene Begriff Mobbing leitet sich  von dem Wort Mob ab, das sich aus dem lateinischen Begriff  mobile vulgus entwickelte, der für die aufgebrachte Volksmenge entstand. In unserer heutigen Sprache verstehen wir unter Mob so etwas wie Pöbel, Gesindel.

Weil im Berufsleben in den letzten 15 – 20 Jahren immer wieder Menschen und Menschengruppen auffielen, die andere Menschen ihrer Umgebung ärgerten, provozierten, kränkten, verletzten, ja, sie körperlich und seelisch zu vernichten suchten, wurde arbeitsmedizinisch nach Hintergründen und möglichen Konsequenzen geforscht.

Eine repräsentative schwedische Untersuchung 1990 ergab, daß bis zu 3,5 - 4% der arbeitenden Bevölkerung für die Dauer von durchschnittlich 15 Monaten von Mobbing betroffen waren und Männer wie Frauen in nahezu gleichem Maße dem Mobbing ausgesetzt sind. In Deutschland spricht man inzwischen von ca. 1 Million Berufstätiger, die dem Mobbing unterliegen können. Das entspricht ungefähr der Zahl der Alkoholiker am Arbeitsplatz.

Der Arbeitspsychologe H. Leymann errechnete für Schweden, wo seinerzeit die Untersuchungen angestellt wurden, einen finanziellen Schaden von 18 Milliarden Kronen, der, unabhängig von den menschenunwürdigen Verhaltensweisen, durch Mobbing verursacht werden kann.
Wirtschaftlich drückt sich das wie folgt aus:

  1. Produktionsausfälle durch Fehlzeiten
  2. Daraus resultierendem Personalersatz
  3. Trainingskosten für Personalersatz
  4. Kundenklagen durch Qualitätsverluste  
  5. Image-Verlust des Unternehmens

Leymanns Folgerung daraus:

„Psychoterror am Arbeitsplatz ist sowohl aus menschlichen als auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen untragbar.“

Erfahrungsgemäß werden Männer wie Frauen  meist von ihresgleichen gemobbt, weil aufgrund der geschlechtsspezifischen Aufteilung des Arbeitsmarktes Männer häufiger mit Männern und Frauen häufiger mit Frauen zusammenarbeiten.

Nach Berufsgruppen geordnet, waren Angestellte des Öffentlichen Dienstes, besonders des Bildungswesens, und Mitarbeiter in multinationalen Konzernen wesentlich häufiger von Mobbing betroffen, als Mitarbeiter in kleineren und mittleren Unternehmen bzw. in Familienbetrieben.

Was sagt die Wissenschaft zum Mobbing?

In seinem grundlegenden Buch „Mobbing - Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann“  gibt Leymann die folgende Definition für Mobbing:

„Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.“

Ist Mobbing neu oder nur eine Variante bisheriger Verhaltensweisen?

Die Geschichte menschlicher Verhaltensweisen zeigt uns, daß von jeher Menschen gedemütigt, verfolgt, ausgeschieden, „an den Rand gestellt“, vernichtet wurden, wenn sie nicht den Verhaltensmustern des Zeitgeistes der jeweiligen Majorität entsprachen. Gründe konnten äußerliche Merkmale sein wie Rasse, Hautfarbe, körperliche Auffälligkeiten bis hin zu Behinderungen, andere als die üblichen Religionsformen und Lebensanschauungen. Denken wir in den letzten Jahrhunderten nur an das Haut- und Rassenproblem zwischen Weiß und Schwarz, Weiß und Rot, an Verfolgungen wegen unterschiedlicher religiöser Gewohnheiten bis hin zu den Verbrennungen auf den Scheiterhaufen von sog. Hexen, Häretikern und sonstigen Menschen, die von der üblichen Norm abwichen.

Arten des Angriffs auf andere Menschen

Leymann stellt in seinem oben genannten Buch 5 Arten von Angriffen auf andere Menschen vor:

  1. Angriffe auf die Möglichkeiten, sich zu äußern, sich mitzuteilen
  2. Angriffe auf die mitmenschlichen Beziehungen, Störungen von Bekanntschaft, Kollegialität, Freundschaft
  3. Angriffe auf das soziale Ansehen, Anerkennung und Prestige
  4. Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation, Unterminieren der beruflichen und privaten Leistungen
  5. Angriffe auf die Gesundheit mit Schädigungen der Vitalität

Heilkundlich gesehen und im Laufe der Zeit besonders gravierend sind vor allem die Angriffe auf die Gesundheit, jedoch wirken sich alle genannten Angriffe nicht nur in zwischenmenschlichen und beruflichen Störungen, sondern letztlich auf die körperliche und seelische Stabilität aus. Leymann führt dazu selbst aus:

 „Es gibt eine ganze Palette von Gemeinheiten, die sowohl wirtschaftliche als auch psychische Folgen für das Opfer haben.
Plötzlich steht die Straße vor dem Haus des Betroffenen voller Taxis oder es treffen Waren ein, die das Opfer nicht bestellt hat. Eines Tages ist der Briefkasten voller Kot oder am Arbeitsplatz wird etwas zerstört, woran der Betroffene gerade arbeitet. Die Kreativität mancher Menschen scheint in dieser Hinsicht keine Grenzen zu kennen.
Es ist nicht ungewöhnlich, daß Opfer auch physisch bedroht werden. Man kündigt einen „Denkzettel“ oder bestimmte körperliche Repressalien an. Solche Drohungen können auch als ‘Scherz’ getarnt sein, zum Beispiel in dem Fall, bei dem zwei Kollegen mehrfach einen schweren Karren in Richtung des Mitarbeiters stießen, wenn gerade kein Zeuge in der Nähe war ...
Aus den USA sind einige Mordfälle bekannt, bei denen die polizeilichen Ermittlungen darauf hindeuteten, daß zur Vorgeschichte Mobbing gehörte. In Europa wissen wir von einem derartigen Fall, wo in einem deutschen Dorf Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz einen Mord auslösten. Auch in Österreich ist ein solcher Fall bekannt geworden. Insgesamt sind jedoch schwere Angriffe sehr selten ...
Mobbing bedeutet, daß dem Opfer zentrale soziale Möglichkeiten am Arbeitsplatz genommen werden. Es ist ein direkter, über lange Zeit andauernder Angriff auf die Möglichkeit, sinnvoll zu kommunizieren, auf die sozialen Beziehungen und das gesellschaftliche Ansehen, auf die Möglichkeit des Opfers, seinen Beruf auszuüben, und auf seine Gesundheit.“

Beispiele für gesundheitliche Schäden durch Mobbing

Mobbingopfer klagen nach einer gewissen Zeit, in denen sie dem Mobbing ausgesetzt waren, häufig über unspezifische Symptome, die nicht unbedingt an entsprechende Auswirkungen des denken lassen. Dazu gehören:

  1. Magendrücken
  2. Schlafstörungen 
  3. Innere Unruhe 
  4. Zitternde Knie
  5. Mundtrockenhiet
  6. Herzrasen
  7. Feuchte Hände
  8. Konzentrationsschwierigkeiten
  9. Erschöpfungszustände

Die Erfahrung zeigt aber auch, daß sogar Selbstmordversuche bis hin zu Selbstmorden durch Mobbing möglich sind, aber auch  psychiatrisch-neurologische Symptome entstehen können, z. B.:

  1. Häufige Angstzustände
  2. Alpträume
  3. Globus-Gefühl im Hals
  4. Depressionen
  5. Antriebslosigkeit
  6. Kontakt-Armut
  7. Verfolgungszustände
  8. Vorzeitige Verrentung

Gibt es Möglichkeiten, sich gegen Mobbing schützen?

Auf der Betriebsebene bieten sich vorbeugende Maßnahmen und frühes Eingreifen in sich aufbauende Mobbing-Vorgänge an, verbunden mit pädagogischen und psychologischen Hilfen wie Gesprächen, Absprachen, Schlichtungsverfahren.

Auf der Ebene der Mitarbeiter geht es darum, gegenseitiges Verständnis zu wecken, bessere Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu entwickeln, klare Kompetenzen zu setzen, Mitarbeiter bei ihrer Arbeit anzuerkennen und zu ermutigen, Aufstiegsmöglichkeiten zu schaffen.

Für den einzelnen Mitarbeiter im Betrieb ist es nötig, folgende Persönlichkeitsmerkmale zu entwickeln und zu fördern, um Mobbing zu verhindern:

  1. Bewußt Erfolgserlebnisse schaffen
  2. Daraus Selbstvertrauen und Selbstsicherheit entwickeln
  3. Sich ermutigen zu eigener Initiative
  4. Fortbildungsmöglichkeiten nützen Kollegialität fördern
  5. Konfliktfähig werden, Konflikte ertragen lernen

Mobbing-Situationen haben Hintergründe, die sowohl in der Charakterstruktur als auch der bisherigen Lebensgeschichte zu finden sind. Das gilt sowohl für die Mobber als auch deren Opfer. 

Sie können nur entstehen, wenn die Menschen ein gestörtes Verhältnis zu sich selbst und zu anderen Menschen haben; Minderwertigkeitsgefühle, Unausgeglichenheit, Kontaktstörungen, Überheblichkeit, Neid, Missgunst, Rivalität spielen erfahrungsgemäß eine große Rolle.  Das kann mit der eigenen Angst um den Arbeitsplatz zusammenhängen, einem Mangel an Anerkennung, Bestätigung und Lob, einem Übermaß an Kritik, vor allem abwertender Art. Dazu dürfte bei denen, die mobben, ein gewisses Maß an  Ethik und letztlich auch religiöser Einstellung und Verantwortung fehlen.

Ulrike Brommer schreibt zu dieser Thematik in Ihrem Buch „Mobbing - Psychokrieg am Arbeitsplatz und was man dagegen tun kann“ hierzu:

       „Mobbing-Situationen können nur deshalb entstehen, weil

  • alle es zulassen,
  • niemand sich kümmert,
  • keiner etwas dagegen tut,
  • die Täter ungehindert ihre Opfer quälen können,
  • die Opfer Angst haben,
  • jeder zuerst an sich selbst denkt,
  • Egoismus vor Mitmenschlichkeit steht.“

Das heißt mit anderen Worten: Körperliche und seelische Verletzungen von Menschen, Gewaltanwendungen bis hin Quälereien und Folter sind nur möglich, wenn niemand da ist, der sich für ein gewaltfreies, menschliches und ethisches Verhalten der Menschen untereinander einsetzt.

Kann jedermann zum Opfer des Mobbing werden?

In der Fachliteratur wird diese Frage bejaht. Aus tiefenpsychologischer Sicht ist allerdings zu erwarten, daß einerseits in den Tätern eine gewisse Aggression gegen andere Menschen, andererseits in den von ihnen gewählten Menschen eine Opfer- und Märthyrerhaltung angelegt ist; eine moralisch strenge Erziehung, körperliche und/oder seelische Verletzungen, erzwungene und übertriebene religiöse Verhaltensweisen, wirtschaftliche und politische Krisen, der Zeitgeist oder auch Traumata aus Zeiten früherer Inkarnationen können eine Rolle spielen. Wie dem auch sei, wir dürfen davon ausgehen, daß solche und ähnliche „Programme“ erkannt und bewältigt werden können, gegebenenfalls mit psychologisch-psychotherapeutischer Hilfe.

Eine besondere Rolle können Verwünschungen oder sogar Flüche spielen, um anderen Menschen zu schaden. Nun, wie leicht geht es manchen Menschen von der Zunge, Worte zu sagen wie:

„Geh` doch zum Teufel!"
„Geh` hin, wo der Pfeffer wächst!“
„Von Dir will ich nichts mehr wissen!“
„Du wirst noch einmal in der Gosse landen!“
„Dir soll es auch mal so gehen wie mir, damit Du weißt, wie ich gelitten habe!“


Selten oder gar nicht wird daran gedacht, daß solche und ähnliche Sätze wie Pfeile,  wie Wurfgeschosse, wie Waffen überhaupt wirken und erheblichen Schaden stiften können. Die gewaltigsten negativen Energien bis hin zu schweren Krankheiten und dem Tod können mit zusätzlichen Manipulationen im Sinne des Voodoo gesetzt werden.

Aber es gibt andererseits auch Möglichkeiten, sich schützen zu lernen. Gebete, Lichtmeditationen, spirituelle Heilkräfte können helfen und sogar „Wunder wirken“. In diesem Zusammenhang sei auf mein Buch „Wenn die Seele den Körper nicht gesunden läßt“ hingewiesen, das 2007 in 6. Auflage erschien (332 S., 35 Abb., € 19.90, Ebertin-Institut Edition, 75 323 Bad Wildbad).

 
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