Können Verstorbene gegenwärtig sein und noch etwas bewirken?

Wer von uns hat nicht schon von Spukhäusern oder Spukschlössern gehört, in denen es „umgehen“ soll? Nun, so weit wollen wir in diesem Beitrag gar nicht gehen. Aber wir müssen es wohl als eine heute nicht mehr wegzudiskutierende Tatsache ansehen, dass es Verstorbene gibt, deren Seele nach dem körperlichen Tod nicht oder noch nicht Abschied von der bisherigen Umgebung und Mitwelt nehmen kann.

Sensible Menschen haben dann in einer Wohnung, einem Haus,  einer Kirche, auf einem Friedhof, in der freien Natur ein unbestimmtes, diffuses Gefühl. Sie spüren so etwas wie Kälte oder einen Windhauch, reagieren dann mit einer Gänsehaut und wollen den als ungemütlich erlebten Raum so schnell wie möglich wieder verlassen.  Andere träumen von Verstorbenen, erleben Besuch, Gespräch oder sogar Streit mit ihnen. Nach einer Untersuchung des Allensbacher Demoskopischen Instituts über „Die Träume der Deutschen“ träumen 22% der Bundesbürger in Deutschland von verstorbenen Menschen.

1. Wahrheit aus den Märchen?

Wer kennt es nicht, das Märchen der Gebrüder Grimm, genannt „Das Totenhemdchen“? Eine junge Mutter hatte ihr Kind durch Tod verloren, das erst wenige Jahre alt gewesen war. Sie war untröstlich und weinte, weinte, weinte... Da hatte sie eines Nachts einen Traum. Ihr Kind erschien ihr mit der Bitte, doch nicht mehr trauernd zu weinen, weil es sonst keine Ruhe finden könne. Weil die Mutter aber immer noch weinte, erschien es ihr im Traum ein zweites Mal. Nun merkte die Mutter, daß sie ihre tiefe Trauer beenden müßte, um ihrem verstorbenen Kind zur Ruhe zu verhelfen. Sie tat es, trocknete ihre Tränen, und eine dritte nächtliche Erscheinung ihres Kindes ließ sie wissen, daß nun alles gut sei und es jetzt in Frieden schlafen könne.

Nicht nur im Märchen, sondern auch in der Realität können wir immer wieder von Hinterbliebenen hören, daß sie ihren lieben Verstorbenen nachtrauern. Das ist durchaus verständlich; aber wenn die entstandene Lücke nicht mehr ausgefüllt werden kann, sei es durch neue Kontakte, Bekanntschaften, Freundschaften, Aufbau und Pflege von Interessen und Fähigkeiten oder sinnvoller Freizeitgestaltung, dann ist es schwierig, sich von der Vergangenheit mit den Dahingegangenen zu lösen. Die Hinterbliebenen bleiben also auf die bisherige Vergangenheit bezogen, vor allem, wenn sie auch noch in den gewohnten gemeinsamen Räumlichkeiten weiter wohnen bleiben. Trauer, Resignation bis hin zur Depression überwiegen, und es kann keine weitere Persönlichkeitsreifung mehr erfolgen.

2. Das Hängenbleiben in unausgesprochenen Konflikten

So verlor Frau Bender vor einigen Monaten ihren Mann nach einer schweren Operation, mit dem sie über 40 Jahre lang im eigenen Hause verheiratet war. Frau Bender war untröstlich, und mehr als einmal gebrauchte sie gegenüber Verwandten und Nachbarn Worte wie:

„Wäre mein Mann doch noch am Leben!“
„Er  ist viel zu früh von uns gegangen!“
„Ich hätte ihm gern noch so vieles gesagt!“
„Wenn ich den Streit doch noch vor seinem Tod hätte beilegen können!“
„Über den Tod haben wir nie gesprochen. Hätte ich ihn denn beunruhigen sollen?“

Natürlich sind Trauer und Gefühle der Leere, der Einsamkeit, des Verlassenseins nachvollziehbar, und die sogenannte Trauerarbeit gehört zu unserem Leben dazu. Aber der Tod eines nahen Menschen bedeutet nicht nur Trauer, sondern auch die notwendige Bereitschaft, nunmehr das eigene Leben neu und in mancher Hinsicht anders zu gestalten. Lange nachwirkende Totenklage kann die Verantwortung für das eigene Leben und seine weitere Gestaltung erheblich reduzieren.

Ich habe Menschen kennen gelernt, die nach dem Tod eines Elternteils jahrelang die Wohnung in einem Zustand hielten, als wären die Verstorbenen noch am Leben, und ihre Trauer „hing“ gleichsam in den Räumen. Es entstand eine Art Totenkult, der es nicht einmal zuließ, den Bademantel und die Handtücher der Verstorbenen aus dem Badezimmer zu entfernen und zur Wäsche zu geben.

Eine 75jährige ältere Dame hatte sich im Wohnzimmer eine Art Altar für den vor 7 Jahren verstorbenen Ehemann eingerichtet mit seinem Foto, einigen von ihm besonders geschätzten Gegenständen und einer Kerze, die jeden Abend angezündet wurde, wenn sie mit dem dahingegangenen Partner „Zwiesprache“ führte, wie sie berichtete.

Wer offen ist für spirituelle Gedanken, wird nachvollziehen können, daß Verstorbene von ihrer früheren Mitwelt nicht Abschied nehmen und danach den Weg in die Transzendenz finden können, wenn sie von den Hinterbliebenen immer wieder gleichsam in deren Umfeld zurückgezogen werden. Die Trauer kann sogar mit dem weltlichen Vorwurf verbunden sein, der Verstorbene habe seine Verpflichtungen den Lebenden gegenüber nicht genügend erfüllt, und er hätte eben noch länger für seine Familie sorgen müssen, er habe sich einfach „davon gemacht“.

So wissen wir beispielsweise auch von Menschen, die sich ein Spenderorgan transplantieren ließen und nur deshalb sich zu dem gravierenden Eingriff in ihr Leben bereit erklärten, weil die Familienmitglieder eine Art moralischen Druck auf sie ausgeübt hätten, da und dort in Worte gekleidet wie:

„Du kannst uns doch nicht allein lassen, wir brauchen Dich doch noch!“

Es gibt aber auch Fälle, in denen Verstorbene auf ihre Mitwelt Ressentiments, Neid, Ärger, Wut, Haß, Aggressionen bis hin zu Todeswünschen projizierten. Und diese negativen, vor dem Tode nicht mehr aufgelösten Gefühle können dazu führen, dass Verstorbene nach ihrem leiblichen Tod die Hinterbliebenen „von drüben aus“ gleichsam „anzapfen“, deren Energie für ihre eigenen, unguten Wünsche einsetzen und dem einen und anderen Hinterbliebenen „im Nacken sitzen“ bis hin zu zeitweisen Zuständen von Besessenheit.

Wir wissen heute aber auch, daß die Seelen vorzeitig oder gewaltsam aus dem Leben geschiedener Menschen, die beispielsweise durch Unfall starben oder deren Organe nach dem „klinischen Tod“ als sogenannte Organspende entnommen wurden, dazu neigen können, sich in dem Körper einer anderen Person einzunisten. Die amerikanische Fachsprache hat für Personen, die zeitweise von solchen Verstorbenen oder anderen Wesenheiten besetzt sind, den Begriff „multiple disturbed persons“ (vielfach gestörte Personen) geprägt.

Die aus der Schule von C. G. Jung stammende amerikanische Psychotherapeutin Edith Fiore (110) schrieb ein Buch unter dem Titel „The unquiet Dead“ (Die unruhigen Toten), das auch in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Besessenheit und Heilung – Die Befreiung der Seele“(111) vorliegt. In diesem Buch schildert sie eine Reihe von Patienten, die von verstorbenen Wesenheiten besetzt waren. Sie fand heraus, daß vor allem solche Menschen in der Gefahr stehen, besessen zu werden, die entweder extrem sensibel sind und/oder deren Abwehrkräfte erheblich geschwächt sind. Dazu gehören Alkoholiker, extreme Raucher, Drogensüchtige, Patienten mit hohem Konsum an Schmerzmitteln und Psychopharmaka.

Die sogenannten klinisch Toten, die zu Organspendern gemacht wurden, können mit ihrer Seele in gewisser Weise in den Organ-Empfängern fortleben. Bekannt wurden inzwischen Fälle, in denen die Organempfänger ihr Verhalten, ihre Gewohnheiten, ihre Interessen und ihre Sympathien und Antipathien veränderten und so lebten, wie es die Organspender in ihrem Leben getan hatten.

Eine besondere Form für einen reduzierten eigenen Willen und Offenheit für transzendente Kräfte zeigt sich bei Menschen, denen im wahrsten Sinne des Wortes die Wesenheit eines Verstorbenen im Nacken sitzt. Ein Beispiel dafür soll der Fall der Frau Kaiser sein.

3. Die Verstorbenen im Nacken

Der Tod der Mutter war für Frau Kaiser ein gravierender Einschnitt in ihr Leben. Kurz nach deren Hinscheiden erlitt die Patientin gravierende Schlafstörungen mit extremen Schuldgefühlen, und sie begann einen zunehmend größer werdenden Ziga-rettenkonsum, von dem sie sich jedoch aus eigener Kraft, 6 Jahre nach dem Tod der Mutter, wieder lösen konnte. Die verstorbene Mutter war zu Lebzeiten selbst starke Raucherin gewesen.

Frau Kaiser erlebte im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung einen engen Zusammenhang zwischen dem Tod der Mutter und ihrer im Anschluß daran entstandenen Adipositas (Fettsucht) mit einem Übergewicht von ca. 50 kg. Hinzu kamen Wasseransammlungen in den Beinen, genau so wie bei der verstorbenen Mutter in deren letzten Lebensjahren. Monat für Monat nach dem Tod der Mutter fühlte sich Frau Kaiser immer müder und schlapper werdend.

Die Mutter soll ursprünglich eine gute Figur gehabt haben, jedoch wurde sie 2 Jahre vor ihrem Tod zunehmend dick, „so dick wie ich heute“, meinte die Patientin und setzte fort: „Es ist für mein Gefühl oft so, wie wenn sie mir ihr Dicksein als ständige Mahnung an mich aufhängen wollte.“ Einige Sätze der Mutter, die sie zu Lebzeiten häufig wie eine Formel wiederholte, mögen das Mutter-Tochter-Verhältnis verdeutlichen:

„Bring´ nur ja nicht etwas unter der Schürze heim!“
„Die Männer sind alle Schweine!“
„Du bist nichts, und Du wirst nichts!“
„Ohne mich bist Du überhaupt nichts!“
„Der Teufel soll Dich holen!“

4. Die Visualisierung von Frau Kaisers Büro

Das therapeutische Gespräch über die Mutter brachte uns auf die Einrichtung des von der Mutter seinerzeit benützten Büros ihrer Firma, in dem Frau Kaiser üblicherweise arbeitete. Die Visualisierung des Büros in der Entspannung im Sinne des vertieften Autogenen Trainings ließ in Frau Kaiser die folgenden Szenen entstehen:

„Mein Schreibtisch im Büro taucht auf ... Alles steht so, wie ich es verlassen habe ...
Ich sehe meine verstorbene Mutter, sie sucht etwas an meinem Schreibtisch ... ich habe Angst ... sie schiebt ihren Schreibtisch zu meinem hin ... sie will hier sein wie zu ihren Lebzeiten ... sie will mich so wie früher überwachen, ob ich auch alles in ihrem Sinne richtig mache ...
Und jetzt erinnere ich mich, daß ich den Schrank meiner Mutter, der früher in ihrem Ankleidezimmer stand und sich heute in meinem Schlafzimmer befindet,  noch nie gemocht habe ... ich erlebe mich jetzt im Ankleidezimmer meiner Mutter mit diesem Schrank, ich spüre, wie mein Herz stärker schlägt, ich will in diesen Schrank gar nicht hineingucken ... wenn ich hineinschaue, dann bin ich das gar nicht ...
Mir wird eiskalt, wenn ich an den Schrank meiner Mutter denke, ich möchte ihn am liebsten zerschlagen, kaputt machen ...
Ich sehe wieder das Büro vor mir, wie in einem lebendigen Traum. Egal, was ich machte, ich konnte meiner Mutter nichts recht machen ... jetzt bekomme ich fürchterliche Kopfschmerzen, gerade so, wie es früher war, wenn meine Mutter an bestimmten Tagen der Woche rechts neben mir an ihrem Schreibtisch arbeitete und beobachtete, was ich gerade machte ...“

Die weitere therapeutische Aufarbeitung der Mutter-Tochter-Beziehung ergab, daß Frau Kaiser in den letzten Monaten immer wieder ein Gefühl hatte, wie wenn sie in ihrem Büro nicht allein und irgendetwas in ihrer Nähe gewesen wäre, was ihr ständig Angst machte. Schon monatelang vor der psychotherapeutischen Behandlung war sie nicht mehr arbeitsfähig gewesen, sie produzierte immer mehr Unordnung, so daß sie sich zuletzt gar nicht mehr in ihr Büro und an ihren Schreibtisch traute. Sie hatte den Eindruck, als wenn ihre verstorbene Mutter sie aus ihrem früheren Büro vertreiben wollte. Aufgabe der mehr alternativ als klassisch ausgerichteten psychotherapeutischen Arbeit war es, der Patientin zu helfen, daß sie wieder arbeitsfähig wurde und sich vom Schatten der Mutter lösen konnte.

5. Der Segen Sterbender

Als der Tod der Eltern und sonstiger Familienangehöriger noch innerhalb der Familie und in den eigenen Räumlichkeiten erwartet wurde, gehörte es zu den Gepflogenheiten, daß der sterbende Vater und die sterbende Mutter ihre Kinder segneten. Dieser religiöse Brauch scheint in den Hintergrund getreten zu sein, seit heute vorwiegend in der nüchternen und kalten Atmosphäre von Krankenhäusern gestorben wird. Der Tote bleibt auch nicht mehr wie früher drei Tage und Nächte in seiner Wohnung oder in seinem Haus, sondern er wird bereits kurze Zeit nach seinem Tode abgeholt und dann in einer Leichenhalle aufgebahrt.

Sicher ist es nachvollziehbar, daß der Abschied der Sterbenden von den künftigen Hinterbliebenen ohne bösartige Wünsche, sondern in Ruhe, gegenseitigem Verständnis, auch mit dem Wunsch zu verzeihen und vergeben, erstrebenswert ist.

6. Zwei besondere Festtage im Jahreslauf: Allerheiligen und Allerseelen

Wer kennt sie nicht, die seit Jahrhunderten im religiösen Brauchtum verankerten Feiertage „Allerheiligen“ und „Allerseelen“?

Allerheiligen wurde in der christlichen Kirche seit Ende des 8. Jahrhunderts am 1. November gefeiert und zwar ursprünglich zu Ehren Marias und aller Märthyrer. Dieser Feiertag wurde nach der Reformation von der katholischen Kirche bis auf den heutigen Tag beibehalten. Verbunden mit Allerheiligen ist auch die Fürbitte bei den Heiligen um Schutz und Hilfe in schwierigen Lebenslagen.

Allerseelen wird am darauf folgenden 2. November als Gedächtnistag für alle verstorbenen Gläubigen gefeiert. Dieser Feiertag wurde seit dem 10. Jahrhundert besonders durch Abt Odilo von Cluny und dessen Reformbewegung in der Kirche verbreitet.

Um Allerheiligen und Allerseelen rankt sich ein reiches Brauchtum, besonders in den Alpenländern. Dazu gehören Allerseelen-Predigt, Lichtspende und Gräberbesuch. In katholischen Gebieten ist der Besuch der mit Kränzen und Blumen geschmückten, sowie mit Kerzen besteckten Familiengräber an Allerheiligen üblich. Das im Mittelalter entwickelte und von Klöstern, Pfarrhäusern und Spitälern aufgrund frommer Stiftungen kultivierte Brotspendewesen zugunsten der Armen und der Kinder im Gedenken an die Verstorbenen, lebt zum Teil heute noch fort.

Es mag sein, daß die katholische Tradition sich den Verstorbenen mehr verbunden und verpflichtet fühlt, als andere Gemeinschaften der christlichen Kirche. Zu ihrem Brauchtum gehören beispielsweise auch die Totenmessen mit Gebeten zum Gedenken an Verstorbene und der religiösen Fürbitte für sie. Aber auch die Gemeinschaften der „Zeugen Jehovas“ und der „Neuapostolischen Kirche“ kennen ein besonders Gedenken an die Verstorbenen.

7. Heutige Einsichten

Wir müssen heute davon ausgehen, daß mit dem Tod „nicht alles vorbei“ ist. Vieles weist darauf hin, daß die Seele mit dem körperlichen Tod den Körper verläßt und sich von ihm löst. Auch die zahlreichen Berichte über Rückerinnerungen einzelner Menschen an frühere Existenzen im Sinne der Reinkarnation lassen darauf schließen, daß es ein Fortleben der Seele nach dem körperlichen Tod gibt.

Die Erfahrung zeigt, daß viele Menschen den Tod als eine Art Feind erleben, der bekämpft werden müsse, um das Leben so lange wie möglich zu erhalten. Die heutigen, sehr weit fortgeschrittenen medizinischen und vor allem chirurgischen Methoden lassen auch erwarten, daß das durchschnittliche Lebensalter tatsächlich erhöht werden kann, aber auch bei einer Organtransplantation doch irgendwann der Tod eintreten wird.

In meiner psychotherapeutischen Praxis habe ich es immer wieder erlebt, daß Verstorbene das Leben ihrer Hinterbliebenen in gewisser Weise beeinflussen können. Das kann einerseits im Sinne von Dank, Verehrung, Leitbildfunktion sein bis hin zur Warnung vor lebensbedrohenden Situationen oder dem Schutz davor; andererseits können die „Schatten der Verstorbenen“ aber auch im Sinne von Schuldgefühlen, Aggressionen gegen sie und Angst vor ihnen bis hin zum Besetztsein des Körpers durch sie wirken.

Lassen wir offen, ob es das Paradies, die Walhalla, das Nirwana, die ewigen Jagdgründe und sonstige ähnliche transzendente Räumlichkeiten gibt, in die eine menschliche Seele nach dem körperlichen Tod irgendwann eingehen wird.

Aber soviel können wir wohl wagen zu sagen: Es scheint eine Art Zwischenreich „zwischen hier und drüben“ zu geben. Verstorbene sind körperlich nicht mehr da, aber sie sind auch noch nicht aus dem irdischen Raum verschwunden. Da wird im religiösen Bereich von den „armen Seelen“ gesprochen, die ihren Weg in die andere Welt noch nicht finden konnten oder wollten, irgendwie in der Materie hängen blieben. Da kennen wir auch seit Jahrhunderten die Vorstellung des Fegefeuers für sündhaftes oder angebliches böses, negatives Verhalten, aus dem man nur durch göttliche Gnade befreit werden könne.

8. Gibt es ein Fegefeuer?

Nun, das Fegefeuer entstammt kirchlich geprägten Vorstellungen. Aber kann es nicht so sein, daß Menschen in der Nachtod-Situation „drüben“ über ihr bisheriges Leben nachdenken und am liebsten Manches nachträglich in Ordnung bringen wollten? Denken wir an körperliche und seelische Schmerzen, die anderen Menschen bereitet wurden, Versagenserlebnisse, Vermeidungshaltungen, mit in den Tod genommene Ressentiments und Aggressionen gegen andere Menschen. Etwas schuldhaft getan zu haben und nichts mehr korrigieren zu können, das ist sicher für manche Verstorbene wie etwas, das „auf den Nägeln brennt“ oder „wie die Hölle schmerzt“.

Aus meiner Sicht kann es nicht nur eine therapeutische Aufgabe sein, den Patienten selbst aus seinen Ängsten und vor transzendenten Wesenheiten zu befreien; vielmehr benötigen die besetzenden Wesenheiten ebenfalls Hilfe, sich von ihren meist unwissenden Wirten zu lösen.

Die sogenannte Teufelsaustreibung in der katholischen Tradition scheint mir nicht der richtige Weg zu sein. Ähnliches gilt für die Einnahme von Psychopharmaka, die den Raum des Unbewußten in gewisser Weise betonieren.

Das Reiki-Healing, die Lichtmeditation für den eigenen Schutz und das Hinübersenden von hellem, strahlendem, vergebendem und göttlichem Licht, das Verstehen- und Verzeihen-können, das Segnen im christlichen Sinne, die Fürbitte für die Lebenden und Verstorbenen bis hin zum Zeichen setzenden Entzünden einer Kerze an einem Altar sind sicher Hilfen für die Lebenden hier und die Verstorbenen drüben. Auch die Visualisierungstechniken und die Reinkarnations-Therapie sind nach meinem Dafürhalten sinnvolle Möglichkeiten, zur Versöhnung zwischen Hier und Drüben, zwischen den Dahingegangen und den Lebenden und Überlebenden.

(Entnommen aus dem Buch von Baldur R. Ebertin, Wenn die Seele den Körper nicht gesunden läßt. S. 175ff., 6. Auflage, Bad Wildbad 2007. ISBN-Nr. 978-3-00-021107-3. 19.90 €)

 
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