Der Verdrängung auf der Spur

Leseprobe/Auszug
„Wenn die Seele den Körper nicht gesunden läßt“
(6. Auflage, Bad Wildbad 2007)

Dr. Heinrich Reich, Arzt und Maler

Der Tu-Anima-Bildertest (TUA-Test)

Der Arzt und Maler Dr. Heinrich Reich, dessen Foto nebenstehend abgebildet ist, entwickelte in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts aus einem Experiment mit moderner Malerei heraus einen tiefen-psychologischen Test. Reich hatte sich seinerzeit meditativ auf Ursymbole der Menschheit im Sinne der Archetypen, wie C. G. Jung sie nannte, eingestellt. Dazu gehörten Symbole wie Lebensflamme, Sonne, Mond, Alpha, Omega, Schlange, Kind, Ring, Distel, Ähre. Hieraus entstanden Gemälde, die aus einer Art  der  Innenschau  zu  abstrakten Bildern gestaltet worden waren. Reich äußerte  dazu:

„Während der Intellekt sich der Worte und Begriffe bedient, muß  die  Seele  zu  Symbolen  greifen, um Unsagbares verständlich zu machen. Solche Symbole finden sich in der Astrologie als Planeten- und Tierkreiszeichen, zum Beispiel Sinnbilder für das Aggressive (Mars), das Joviale (Jupiter), das Mütterliche (Mond) oder ein Quadrat für eine Spannung und ein Trigon für eine Harmonie. Andere Symbole sind etwa „Ring“ für eheliche Partnerschaft oder „Messer“ für gewaltsame Trennung oder „Herz“ für Liebe ...

Sollte es möglich sein, diese seelischen Strukturen, wie sie sich in Symbolen ausdrücken, in gegenstandslosen Farb-Form-Komplexen darzustellen, so müsste auch der Versuch gelingen, durch Wahl oder Ablehnung solcher Bilder auf Grund von Sympathie oder Antipathie auf seelische Haltungen zu schließen.

Es wurden gegenstandslose Bilder gemalt in der festen Absicht, einen besonderen Bestandteil des Innenlebens darzustellen. Demut oder Stolz, Koketterie oder Mütterlichkeit, Freiheit oder Zwang, nur mit Farben und Linien, also modern im besten Sinn. Tatsächlich hat sich experimentell in hunderten von Versuchen an Menschen jeglichen Alters, Geschlechts und Bildungsgrades erwiesen, daß aus diesen gegenstandslosen Bildern, unbewusst natürlich, gefühlsmäßig und vielleicht sogar spielerisch, diese in den Bildern herausmeditierten Symbole erkannt werden.

Wie im Röntgenbild der innere Aufbau, die Größe und Lage von Organen und Fremdkörpern zur Darstellung kommt, so müssen sich also in diesen Röntgenbildern der Seele durch die Wahl nach Zuneigung oder Abneigung Schlüsse auf die Struktur der Seele ziehen lassen.“

Erste Begegnungen mit dem TUA-Test

Die Reich`schen Seelenbilder lernte ich erstmals auf den „Arbeitstagungen für kosmobiologische Forschung“ in Aalen kennen, die von meinem Vater, Reinhold Ebertin (1901 – 1988), 1949 ins Leben gerufen und viele Jahre geleitet wurden. H. Reich trat in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts dort mehrfach als Referent auf, und ich, damals noch Schüler, dann Student und später Mitarbeiter im Ebertin-Verlag und auf den Tagungen, hörte mir die Reich`schen Vorträge an und betrachtete fasziniert die mit Hilfe von Dias vorgeführten Seelenbilder.

Ich begann damals zu ahnen, daß der Tu-Anima-Bildertest auch für mich als künftigem Psychologen ein wichtiges Instrumen-tarium für meine beabsichtigte berufliche Tätigkeit als Psycho-therapeut mit Klienten und Patienten werden könnte und experimentierte von den ersten Semestern an damit.

Mein Interesse ging dann so weit, daß ich über die Seelenbilder und meine Erfahrungen damit meine Vordiplom-Arbeit an der Münchner Universität schreiben wollte. Aber damals war die Zeit für einen derartigen sogenannten Projektionstest, der letztlich auf Meditation gründete  und auch astrologische Symbolik mit einschloß, noch nicht reif.

Die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts

In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als ich in Freiburg und München studierte, galt alles, was mit Tiefenpsychologie und Grenzgebieten unseres Wissens zu tun hatte, noch als mysteriös und unwissenschaftlich, und dazu gehörte auch die Meditation. Bilder, die aus der Innenschau heraus entstanden waren und als tiefenpsychologischer Test dienen sollten, konnten deshalb für damalige Verhältnisse nichts sein, was der wissenschaftlichen Forschung und Praxis wert gewesen wäre. Unter diesem Gesichtspunkt war es schon sehr mutig, daß Professor Dr. Hans Bender, damals an der Universität in Freiburg lehrend, es riskierte, Anfang der fünfziger Jahre in Freiburg das „Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene“ zu gründen, das bis heute führend auf dem Gebiet der Parapsychologie tätig ist und internationale Anerkennung gefunden hat.

Reich war mit seiner künstlerischen und tiefenpsychologischen Forschung der Zeit weit voraus. Seine Arbeit wurde damals mehr in Kreisen weiterverfolgt, die über den Rahmen der anerkannten wissenschaftlichen Disziplinen hinaustreten wollten. Dazu gehörte u. a. auch Professor Hubert Urban, der damalige Leiter der Psychiatrisch-Neurologischen Klinik an der Universität Innsbruck, wo Reich Erfahrungen mit den Testprotokollen psychiatrischer Patienten gewinnen konnte und wo ich während meines schon erwähnten Praktikums an dieser Klinik ebenfalls mit dem TUA-Test wie auch mit den Kosmogrammen der Patienten diagnostisch arbeitete.
Nachdem das Reich`sche Buch „Seelenbilder“ schon viele Jahre vom Markt verschwunden war und der TUA-Test in der Gefahr stand, vergessen zu werden, schrieb ich Artikel über den TUA-Test und erarbeitete eine Neufassung und Erweiterung des Tests und seiner Anwendung. So entstand 1995 das Buch „Im Dialog mit der Seele – mit dem Tu-Anima-Bildertest“, und als die Auflage vergriffen war, 2006 eine nochmalige Erweiterung unter dem Titel „Schlüssel zum Geheimnis der Seele – mit dem Tu-Anima-Bildertest.
Nach wie vor halte ich den TUA-Test für einen der weltweit besten Tests, wenn es darum geht, die Tiefen der Seele zu erfassen und Möglichkeiten der Lebenshilfe auszuloten. Nachstehend werden nun einige Testbilder mit der heutigen Interpretation gezeigt.

Anfang und Ende

Die nachstehenden beiden Testbilder entstanden aus der Meditation auf die beiden griechischen Buchstaben Alpha und Omega. Sie stehen für den Anfang und das Ende einer Idee, einer Aufgabe und für den Abschluß, das Ende eines Vorhabens.

Symbol Alpha
Symbol Omega

Wird das Symbolbild Alpha als sympathisch gewählt, läßt sich daraus schließen, daß die Testperson bereit ist, etwas Neues zu beginnen, auch wenn „aller Anfang schwer“ sein sollte. Wird das Alpha-Symbol abgelehnt, dann zeigen sich noch Unsicherheit und Zögern, und der richtige Augenblick für eine Initiative kann vertrödelt und letztlich verpaßt werden.

Wird das Symbolbild Omega als sympathisch gewählt, ergibt sich daraus das Bestreben, anstehende Aufgaben zuende zu bringen, sie zu vollenden. Wird dieses Symbolbild abgelehnt, dann ist ein wichtiger Entwicklungsprozeß noch nicht abgeschlossen, die Versuchsperson ist noch auf dem Wege, bleibt möglicherweise auch in ihren Lösungsversuchen stecken.

Gegenwart und Vergangenheit

Die Gegenwart wird durch das Symbol „Stehende Säule“ reprä-sentiert. Sympathie für diese Symbolkarte ist dann so zu inter-pretieren, daß „hier und jetzt“ die anstehenden Aufgaben und Probleme angegangen werden wollen. Es besteht also die Bereitschaft, „den Stier bei den Hörnern zu fassen“.

Stehende Säule
Gebrochene Säule

Wird die „Stehende Säule“ als unsympathisch erlebt, dann werden gegenwärtige Aufgaben und Chancen nicht oder nur ungern wahrgenommen, mit anderen Worten, der „Aufruf zu neuen Ufern vorzudringen“, wird wahrscheinlich verschlafen.

Wird in der Testsituation das Symbolbild „Gebrochene Säule“ als sympathisch erlebt, dann läßt sich daraus schließen, daß der Klient oder Patient bereit ist, Rückschau auf die bisherige Vergangenheit zu nehmen, sich zu besinnen und zu erinnern. Dabei kann es sein, daß frühere Erlebnisse und Erfahrungen noch nachschwingen, vielleicht sogar im tiefsten Innern „brodeln“, aber sie wollen nochmals nacherlebt und verarbeitet werden.

Wird jedoch die „Gebrochene Säule“ abgelehnt, dann will jemand mit seiner Vergangenheit nichts mehr zu tun haben. Frühere körperliche und seelische Verletzungen, Traumata, werden dann in die tiefsten Seelenschichten verdrängt, ohne nachträglich aufgearbeitet werden zu wollen. Eine der körperlichen Folgen davon kann sein, daß im Laufe der Zeit erhebliche Herz- und Kreislauf-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Angst-zustände bis hin zu rheumatischen Schmerzen entstehen.

Symbol Schlange

Das Symbol „Schlange“ und die Reifungsprozesse

Jeder von uns hat sicher schon Situationen erlebt, die zunächst unangenehm und beunruhigend waren; aber nach einiger Zeit konnte erkannt werden, daß ein wichtiger Reifungsprozeß für die Persönlichkeitsentwicklung anstand.
Auf der körperlichen Ebene könnte man da von Krankheiten wie Röteln, Masern oder Scharlach sprechen, nach deren natürlicher Überwindung sich eine Häutungs- und Regenerationsphase ergibt.
Seelische Häutungsphasen können sich auch auf der Traum- und Symbol-Ebene zeigen. Was den TUA-Test angeht, verbindet sich damit das Symbol der Schlange. Diese muß bekanntlich von Zeit zu Zeit  ihre alte, harte und zu klein gewordene Haut zugunsten einer neuen, zunächst noch verletzbaren abstreifen.                                                                                             

Wird in der Testsituation das Symbolbild der Schlange als sympathisch erlebt, läßt sich erwarten, daß die Bereitschaft besteht, einen Wandlungsprozeß anzunehmen und auch durchzustehen. Wird dagegen das Schlangensymbol abgelehnt, dann muß davon ausgegangen werden, daß die Versuche zu Veränderungen, eventuell gravierenden und zunächst schmerzenden Veränderungen, zunächst noch zum Scheitern verurteilt sind, weil die nach einer „Häutung“ vorläufig noch besonders empfindliche  und verletzbare Haut nicht eingerissen werden soll.

Was kann diagnostiziert werden?

Nach dem gegenwärtigen Stand der TUA-Diagnostik können die folgenden Persönlichkeitsbereiche erfasst werden:

  • Wie stehen die Menschen zu sich selbst?
  • Wie stehen sie zu ihrer Mitwelt?
  • Die individuelle Einstellung zu Gesundheit und Krankheit
  • Wille und Leistung, Erfolg und Misserfolg
  • Aggression und Wut, Verzeihung und Versöhnung
  • Die Welt der Phantasien und Ideen
  • Verzicht und Trauer
  • Leben und Tod
  • Das Leben und Erleben von Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit

Der Tu-Anima-Bildertest besteht aus 36 Symbolbildern, von denen in der Testsituation 12 sympathische und 12 unsympathische ausgewählt werden sollen. Von den sympathischen soll dann das sympathischste, von den unsympathischen das unsympathischste gewählt werden. Aus diesen Wahlen und vor allem ihrer Kombination miteinander, ergibt sich ein tiefenseelisches Profil, das die übliche Anamnesenaufnahme und Psychodiagnostik  bis hin zur heilkundlich-psychologischen Beratung und Psychotherapie wesentlich erweitern hilft.

 
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