Alte Häuser – leere Häuser?

(Veröffentlicht in "Zeitschrift für Geobiologie, Nr. 2/2002")  

A. Einige Fragen im voraus

Der Geobiologe wird erfahrungsgemäß nicht nur auf leere Grundstücke oder in neu gebaute Häuser gebeten, um dort Messungen wegen irgendwelcher Störfelder oder für optimale Schlafplätze vorzunehmen. Da und dort sind es auch Häuser, die Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte stehen und ihre ganz persönliche Geschichte haben. Auch wenn sie zeitweise unbewohnt sind oder überhaupt leer stehen sollten, sind sie tatsächlich auch im übertragenen Sinne leer?

Geobiologisch interessierte Klienten stellen manchmal die Frage, ob in diesen Häusern schon mal jemand gestorben ist und wenn ja, welches denn das Sterbezimmer gewesen sei. Da und dort geht es auch um die Frage, ob der frühere Schlafplatz eines Verstorbenen nunmehr für das Stellen des eigenen Bettes verwendet werden könne, weil das "so geschickt" sei.

Der geobiologisch tätige Fachmann wird der Ehrlichkeit halber verpflichtet sein, auf eine solche und ähnliche Fragen zu antworten, sofern er überhaupt Informationen hierzu hat. Aber soll sich der Geobiologe überhaupt mit einem solchen Thema befassen, schließlich geht es ja um möglicherweise vorhandene Störfelder der verschiedensten Art.

Wer jedoch einmal Messungen da vorgenommen hat, wo ein schwer kranker Patient zu Lebzeiten lag und schlief, kann nicht umhin festzustellen, dass an solchen Schlafplätzen erhebliche Störfelder nachgewiesen werden können. Aber sind es nur die messbaren Werte, die da eine Rolle spielen? Gibt es andere Gründe, die einen Raum oder ein ganzes Haus belasten können?

Nun, wer von uns hat nicht schon von Spukhäusern gehört, in denen "es umgehen" soll und Angst verbreitet wird? Nun, so weit wollen wir hier gar nicht gehen. Aber wir müssen es wohl als eine heute nicht mehr wegzudiskutierende Tatsache ansehen, dass es Verstorbene gibt, deren Seele nach dem körperlichen Tod nicht oder noch nicht Abschied von der bisherigen Umgebung und Mitwelt nehmen kann.

Sensible Menschen haben dann an manchen Stellen in einer Wohnung oder einem ganzen Haus ein unbestimmtes, diffuses Gefühl. Da und dort spüren sie so etwas wie Kälte oder einen Windhauch, reagieren dann mit einer Gänsehaut und wollen den ungemütlichen Raum so schnell wie möglich wieder verlassen. Andere träumen von Verstorbenen, erleben Besuch, Gespräch oder sogar Streit mit ihnen. Nach einer Untersuchung des Allensbacher Demoskopischen Instituts über "Die Träume der Deutschen" träumen 22% der Bundesbürger von verstorbenen Menschen.

B. Wahrheit aus den Märchen?

Wer kennt es nicht, das Märchen der Gebrüder Grimm, genannt "Das Totenhemdchen"? Eine junge Mutter hatte ihr Kind durch Tod verloren, das erst wenige Jahre alt gewesen war. Sie war untröstlich und weinte, weinte, weinte... Da hatte sie eines Nachts einen Traum. Ihr Kind erschien ihr mit der Bitte, doch nicht mehr trauernd zu weinen, weil es sonst keine Ruhe finden könne. Weil die Mutter aber immer noch weinte, erschien es ihr im Traum ein zweites Mal. Nun merkte die Mutter, daß sie ihre tiefe Trauer beenden müßte, um ihrem Kind zur Ruhe zu verhelfen. Sie tat es, trocknete ihre Tränen, und eine dritte nächtliche Erscheinung ihres Kindes ließ sie wissen, daß nun alles gut sei und es nun in Frieden schlafen könne.  

Nicht nur im Märchen, sondern auch in der Realität können wir immer wieder von Hinterbliebenen hören, daß sie ihren lieben Verstorbenen nachtrauern. Das ist durchaus verständlich, aber wenn die entstandene Lücke nicht mehr ausgefüllt werden kann, sei es durch neue Kontakte, Bekanntschaften, Freundschaften, Aufbau und Pflege von Interessen und Fähigkeiten oder sinnvoller Freizeitgestaltung, die Hinterbliebenen also auf die bisherige Vergangenheit bezogen, vor allem auch in den gewohnten gemeinsamen Räumlichkeiten weiter wohnen bleiben, dann werden Trauer, Resignation bis hin zur Depression überwiegen, und es kann keine weitere Persönlichkeitsreifung mehr erfolgen.  

C. Das Hängenbleiben in unausgesprochenen Konflikten

So verlor Frau Bender (Name geändert) vor einigen Monaten ihren Mann, mit dem sie über 40 Jahre lang im eigenen Hause verheiratet war. Er starb an einer Lungenentzündung, die nach einer schweren Operation aufgetreten war. Frau Bender war untröstlich, und mehr als einmal gebrauchte sie gegenüber Verwandten und Nachbarn Worte wie:

"Wäre mein Mann doch noch am Leben!"

"Er ist viel zu früh von uns gegangen!"

"Ich hätte ihm gern noch so vieles gesagt!"

"Wenn ich den Streit doch noch vor seinem Tod hätte beilegen können!"

"Über den Tod haben wir nie gesprochen. Hätte ich ihn denn beunruhigen sollen?"

 

Natürlich sind Trauer und Gefühle der Leere, der Einsamkeit, des Verlassenseins nachvollziehbar, und die sogenannte Trauerarbeit gehört zu unserem Leben dazu.

Aber der Tod eines nahen Menschen bedeutet nicht nur Trauer, sondern auch die notwendige Bereitschaft, nunmehr das eigene Leben neu und in mancher Hinsicht anders zu gestalten.

Lange nachwirkende Totenklage kann die Verantwortung für das eigene Leben und seine weitere Gestaltung erheblich reduzieren.

Ich habe Menschen kennen gelernt, die nach dem Tod eines Elternteils jahrelang die Wohnung in einem Zustand ließen, als wären die Verstorbenen noch am Leben, und ihre Trauer "hing" gleichsam in den Räumen. Es entstand eine Art Totenkult, der es nicht einmal zuließ, den Bademantel und die Handtücher des Verstorbenen aus dem Badezimmer zu entfernen und zur Wäsche zu geben.

Eine ältere Dame hatte sich im Wohnzimmer eine Art Altar für den verstorbenen Ehemann eingerichtet mit seinem Foto, einigen von ihm besonders geschätzten Gegenständen und einer Kerze, die jeden Abend angezündet wurde, wenn sie mit dem dahingegangenen Partner Zwiesprache führte.

Wer offen ist für spirituelle Gedanken, wird nachvollziehen können, daß Verstorbene von ihrer früheren Mitwelt nicht Abschied nehmen und danach den Weg in die Transzendenz finden können, wenn sie von den Hinterbliebenen immer wieder gleichsam in deren Umfeld zurückgezogen werden. Die Trauer kann sogar mit dem weltlichen Vorwurf verbunden sein, der Verstorbene habe seine Verpflichtungen den Lebenden gegenüber nicht genügend erfüllt, und er habe eben noch länger für seine Familie sorgen müssen.

So wissen wir beispielsweise auch von Menschen, die sich ein Spenderorgan transplantieren ließen, daß sie nur deshalb sich zu dem gravierenden Eingriff in ihr Leben bereit erklärten, weil die Familienmitglieder eine Art moralischen Druck auf sie ausgeübt hätten, da und dort in Worte gekleidet wie:

"Du kannst uns doch nicht allein lassen, wir brauchen Dich doch noch!"

Es gibt aber auch Fälle, in denen Verstorbene mit Ressentiments, Neid, Ärger, Wut, Haß, Aggression auf die Lebenden "in die andere Welt" gehen sollten. Aber diese negativen, vor dem Tode nicht mehr aufgelösten Gefühle können dazu führen, dass Verstorbene nach ihrem leiblichen Tod die Hinterbliebenen "von drüben aus" gleichsam "anzapfen", deren Energie für ihre eigenen, nicht gerade guten Wünsche einsetzen und gleichsam dem einen und anderen Hinterbliebenen "im Nacken sitzen" bis hin zu zeitweisen Zuständen von Besessenheit.  

 D. Der unvorhersehbare Tod junger Menschen

Durch einen tödlichen Unfall wurde das Leben eines noch jungen Menschen vorzeitig abgebrochen. Er selbst war noch nicht bereit zu sterben, hat möglicherweise nach dem plötzlichen Tod noch gar nicht bemerkt, daß er nicht mehr zu den Lebenden gehöre, sondern schwebte mit seiner Seele über oder neben dem liegenden Körper. Erlebnisse solcher Art um die Todeszeit herum kennen wir aus den Berichten von Menschen, die klinisch tot waren und in das Leben zurückgeholt wurden.

Wir wissen heute aber auch, daß die Seelen vorzeitig oder gewaltsam aus dem Leben geschiedener Menschen dazu neigen können, sich in dem Körper einer anderen Person einzunisten. Die amerikanische Fachsprache hat für Personen, die zeitweise von solchen Verstorbenen oder anderen Wesenheiten besetzt sind, den Begriff "multiple disturbed persons" geprägt.  

Die aus der Schule von C. G. Jung stammende amerikanische Psychotherapeutin Edith Fiore (1) schrieb ein Buch unter dem Titel "The unquiet Dead" (Die unruhigen Toten), das auch in deutscher Übersetzung unter dem Titel "Besessenheit und Heilung – Die Befreiung der Seele"(2) vorliegt. In diesem Buch schildert sie eine Reihe von Patienten, die von verstorbenen Wesenheiten besetzt waren. Sie fand heraus, daß vor allem solche Menschen in der Gefahr stehen, besetzt zu werden, die entweder extrem sensibel sind und/oder deren Abwehrkräfte erheblich geschwächt sind. Dazu gehören Alkoholiker, extreme Raucher, Drogensüchtige, Patienten mit hohem Konsum an Psychopharmaka. 

Fiore stellte eine Liste von Symptomen solcher Menschen zusammen, die auszugsweise hier wiedergegeben werden soll:  

1. Ein ständiges Gefühl körperlicher Schwäche 2. Charakterveränderungen oder starke Stimmungsschwankungen 3. Innere Stimmen, die zum Patienten sprechen 4. Gedächtnisstörungen 5. Geringe Konzentrationsfähigkeit 6. Plötzlicher Ausbruch von Angst oder Depression 7. Zeitweises Einsetzen von körperlichen Störungen ohne erkennbare Ursache 8. Starke seelische oder körperliche Reaktionen auf das Buch der Autorin "The unquiet Dead".  

Fiore macht natürlich aufmerksam darauf, daß ein Merkmal allein noch nicht auf das Besetztsein durch irgendein Geistwesen hindeute, sondern mehrere Merkmale im Sinne eines Syndroms zusammenkommen müssen. Wenn es jedoch ein Hören von Stimmen gebe, sollte an die Möglichkeit der Besessenheit gedacht werden.  

E. Die internationale Klassifikation psychischer Störungen

Unter dem Stichwort "Trance und Besessenheitszustände" (F 44.3) finden wir in der "Internationalen Klassifikation psychischer Störungen" folgende Hinweise (3):

"Störungen, bei denen ein zeitweiliger Verlust der persönlichen Identität und der vollständigen Wahrnehmung der Umgebung auftritt; in einigen Fällen verhält sich der Mensch so, als ob er von einer anderen Persönlichkeit, einem Geist, einer Gottheit oder einer ´Kraft´ beherrscht wird.

Aufmerksamkeit und Bewußtsein können auf nur ein oder zwei Aspekte der unmittelbaren Umgebung begrenzt oder konzentriert sein, und häufig findet sich eine eingeschränkte, aber wiederholte Folge von Bewegungen, Stellungen und Äußerungen.

Hier sollen nur Trancezustände einbezogen werden, die unfreiwillig oder ungewollt sind und sich innerhalb täglicher Aktivitäten abspielen, die also außerhalb religiöser oder anderer in diesem Sinn kulturell akzeptierter Situationen auftreten oder höchstens im Anschluß an diese ..."  

Noch ein gutes Stück weiter als in der vorstehenden Beschreibung der möglichen Symptome geht die folgende Definition in der schon genannten ICD-10 (4) über die "Multiple Persönlichkeitsstörung" (F.44.81).

"Diese Störung ist selten, und es wird kontrovers diskutiert, in welchem Ausmaß sie iatrogen oder kulturspezifisch ist.

Das grundlegende Merkmal ist das offensichtliche Vorhandensein von zwei oder mehr verschiedenen Persönlichkeiten bei einem Individuum. Dabei ist zu einem Zeitpunkt jeweils nur eine sichtbar.

Jede Persönlichkeit ist vollständig, mit ihren eigenen Erinnerungen, Verhaltensweisen und Vorlieben. Diese können in deutlichem Kontrast zu der prämorbiden Persönlichkeit stehen.

Bei der häufigsten Form mit zwei Persönlichkeiten ist meist eine von beiden dominant, keine hat Zugang zu den Erinnerungen der anderen, und die eine ist sich der Existenz der anderen fast niemals bewußt.

Der Wechsel von der einen Persönlichkeit zur anderen vollzieht sich beim ersten Mal gewöhnlich plötzlich und ist eng mit traumatischen Erlebnissen verbunden.

Spätere Wechsel sind oft begrenzt auf dramatische oder belastende Ereignisse oder treten in Therapiesitzungen auf, in denen der Therapeut Hypnose oder Techniken zur Entspannung oder zum Abreagieren anwendet."  

Eine besondere Form für einen reduzierten eigenen Willen und Offenheit für transzendente Kräfte zeigt sich bei Menschen, denen im wahrsten Sinne des Wortes die Wesenheit eines Verstorbenen im Nacken sitzt. Ein Beispiel dafür soll der Fall der Frau Kaiser (Name geändert) sein.  

F. Die Verstorbenen im Nacken

Der Tod der Mutter war für Frau Kaiser ein gravierender Einschnitt in ihr Leben. Kurz nach dem Hinscheiden der Mutter erlitt die Patientin gravierende Schlafstörungen mit extremen Schuldgefühlen, und sie begann einen zunehmend höher werdenden Zigarettenkonsum, von dem sie sich jedoch aus eigener Kraft 6 Jahre nach dem Tod der Mutter wieder lösen konnte.

Die verstorbene Mutter war zu Lebzeiten selbst starke Raucherin gewesen.  

Frau Kaiser erlebte im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung einen engen Zusammenhang zwischen dem Tod der Mutter und ihrer im Anschluß daran entstandenen Adipositas (Fettsucht) mit einem Übergewicht von ca. 50 kg. Seit der Adipositas wurde auch von erheblichen Wasseransammlungen gesprochen, vor allem in den Beinen. Monat für Monat nach dem Tod der Mutter fühlte sich Frau Kaiser immer müder und schlapper werdend.  

Frau Kaiser schilderte ihre Mutter als sehr streng und autoritär. Eine außergewöhnliche Verhaltensweise der Mutter wirkte auf ihre Tochter entsetzlich: Als sie 14 Jahre alt war, mußte sie sich auf das Bett legen und die Unterhose ausziehen, weil die Mutter wissen wollte, was ihre Tochter draußen mit den Jungens angeblich getrieben habe. Von diesem Tag an belog Frau Kaiser ihre Mutter stets, wenn sie einmal irgendwelche Begegnungen mit Jungens oder später jungen Männern hatte.  

Als die Patientin Krankenschwester werden wollte, verkleidete sich die Mutter als Gespenst, um ihre Tochter zu erschrecken. Die Patientin war damals 16 Jahre alt und machte eine zeitlang Sonntagsdienst in einem Krankenhaus. Von der Patientin wurde erwartet, daß sie nach der Schulzeit als Lehrling in das elterliche Geschäft eintrete.  

Nach dem Tod der mütterlichen Großmutter, wollte die Mutter die damals jugendliche Patientin zwingen, die verstorbene Oma anzufassen und ihr noch einen Kuß auf die Wange zu drücken. Die damalige Enkelin lehnte das damals ab, sie könne das nicht und zog daraufhin den Zorn der Mutter auf sich.  

Als die Mutter Frau Kaisers vor einer Reihe von Jahren verstorben war, konnte die Patientin nicht mehr allein schlafen. Als zeitweise unfolgsames Kind hatte sie gegenüber der Mutter auch noch als Erwachsene stets Schuldgefühle, wie wenn sie etwas verbrochen gehabt hätte. Die in jahrelanger religiös überzogener und strenger Erziehung entstandenen Schuldgefühle verfolgten die junge Frau bis in den Schlaf hinein.  

Die Mutter soll ursprünglich eine gute Figur gehabt haben, jedoch wurde sie 2 Jahre vor ihrem Tod zunehmend dick, "so dick wie ich heute", meinte die Patientin und setzte fort: "Es ist für mein Gefühl oft so, wie wenn sie mir ihr Dicksein als ständige Mahnung an mich aufhängen wollte." Einige Sätze der Mutter, die sie zu Lebzeiten häufig wie eine Formel wiederholte, mögen das Mutter-Tochter-Verhältnis verdeutlichen:

"Bring´ nur ja nicht etwas unter der Schürze heim!"

"Die Männer sind alle Schweine!"

"Du bist nichts, und Du wirst nichts!"

"Ohne mich bist Du überhaupt nichts!"

"Der Teufel soll Dich holen!"

G. Die Visualisierung von Frau Kaisers Büro

Das therapeutische Gespräch über die Mutter brachte uns auf die Einrichtung des Büros, in dem Frau Kaiser üblicherweise arbeitete. Die Visualisierung des Büros in der Entspannung im Sinne des vertieften Autogenen Trainings ließ in Frau Kaiser die folgenden Szenen entstehen:  

Mein Schreibtisch im Büro taucht auf ... Alles steht so, wie ich es verlassen habe ...

Ich sehe meine verstorbene Mutter, sie sucht etwas an meinem Schreibtisch ... ich habe Angst ... sie schiebt ihren Schreibtisch zu meinem hin ... sie will hier sein wie zu ihren Lebzeiten ... sie will mich so wie früher überwachen, ob ich auch alles in ihrem Sinne richtig mache ...

Und jetzt erinnere ich mich, daß ich den Schrank meiner Mutter, der früher in ihrem Ankleidezimmer stand und sich heute in meinem Schlafzimmer befindet, noch nie gemocht habe ... ich erlebe mich jetzt im Ankleidezimmer meiner Mutter mit diesem Schrank, ich spüre, wie mein Herz stärker schlägt, ich will in diesen Schrank gar nicht hineingucken ... wenn ich hineinschaue, dann bin ich das gar nicht ...

Mir wird eiskalt, wenn ich an den Schrank meiner Mutter denke, ich möchte ihn am liebsten zerschlagen, kaputt machen ...

Ich sehe wieder das Büro vor mir, wie in einem lebendigen Traum. Egal, was ich machte, ich konnte meiner Mutter nichts recht machen ... jetzt bekomme ich fürchterliche Kopfschmerzen, gerade so, wie es früher war, wenn meine Mutter an bestimmten Tagen der Woche rechts neben mir an ihrem Schreibtisch arbeitete und beobachtete, was ich gerade machte ..."  

Die weitere therapeutische Aufarbeitung der Mutter-Tochter-Beziehung ergab, daß Frau Kaiser in den letzten Monaten immer wieder ein Gefühl hatte, wie wenn sie in ihrem Büro nicht allein und irgendetwas in ihrer Nähe gewesen wäre, was ihr ständig Angst machte. Schon monatelang vor der psychotherapeutischen Behandlung war sie nicht mehr arbeitsfähig gewesen, sie produzierte immer mehr Unordnung, so daß sie sich zuletzt gar nicht mehr in ihr Büro und an ihren Schreibtisch traute. Sie hatte den Eindruck, als wenn ihre verstorbene Mutter sie aus ihrem früheren Büro vertreiben wollte.  

H. Die letzten Worte einer verstorbenen Ehefrau

Herr Kramer (Name geändert) wollte während der psychotherapeutischen Behandlungen unbedingt auf seine verstorbene Frau zu sprechen kommen, deren letzten Worte ihn immer wieder an die Situation im Sterbezimmer erinnerten.  

Wochenlang war Herr Kramer auf der Intensivstation stundenlang am Krankenbett seiner Frau gesessen, auch wenn er sich kaum noch mit ihr verständigen konnte. Einfach da sein, die Hand der Sterbenden halten, ihr von Zeit zu Zeit das eingefallene und schweißnasse Gesicht mit einem feuchten Tuch abtupfen, das war alles, was der fast 70jährige Ehemann noch für seine etwas jüngere Frau tun konnte.

Eines Abends hatte die geschwächte Ehefrau noch einen lichten Augenblick. Der Ehemann war im Krankenzimmer anwesend. Atmosphärisch wurde deutlich, daß Elsa nur sehr schwer Abschied nehmen und sterben konnte, obwohl sie um die Unsterblichkeit der Seele wußte. Gern wäre sie noch am Leben geblieben, und vor allem vermutete sie, daß ihr rüstiger und geistig aktiver Mann nach ihrem Tode sicher wieder heiraten würde - was allerdings nicht mehr geschah. 

Allem Anschein nach war vor der schwerkranken Frau nochmals ihr bisheriges Leben vorbeigezogen; das Glück mehrerer Kinder, die von ihr sehr geliebten Enkel, die wiesen- und waldreiche gesunde Landschaft um das Eigenheim, aber auch die Einsamkeit neben dem stets sehr beschäftigten und mit seiner Freizeit für seine Ehefrau geizenden Ehemann. Sicher hatte sie auf manche Lebensfreude verzichten müssen, denn im Zweiten Weltkrieg war ihr Mann an der Front, und als er schwer verwundet, an beiden Beinen bis zum Oberschenkel amputiert, zurückkehrte, mußte er sich Gedanken über seine weitere berufliche Verwendung machen. Sowohl während seiner beruflichen Tätigkeit im Nachkriegsdeutschland, wie auch als Pensionär hatte er vielfache Interessen, die er auch pflegte.

Was der Ehefrau zu Lebzeiten wohl besonders zu schaffen machte, war aus ihrer Sicht die von ihrem Ehemann erzwungene totale Unterordnung unter seine Autorität. So fühlte sie sich um manche glückliche Stunde des Lebens betrogen.

Während des letzten lichten Augenblicks richtete die Sterbende an ihren neben ihr sitzenden Ehemann die folgenden Worte, die auf ihn wie ein Blitzschlag wirkten:  

"Du sollst auch noch einmal leiden müssen. Ganz langsam sollst Du mal sterben, damit Du weißt, wie ich bei Dir gelitten habe!"  

Herr Kramer nahm diese Worte, die einer Verwünschung oder sogar einem Fluch gleichkamen, zunächst als Ausdruck der Verbitterung seiner Frau darüber, vor ihm aus dem Leben scheiden zu müssen, nachdem sie harte Wochen des körperlichen Leidens hinter sich gebracht hatte. Er hätte diese letzten Worte seiner Frau nachträglich nicht so ernst genommen, wenn er mit seinen jahrzehntelangen Beschwerden durch seine beiden amputierten Beine nicht einige Wochen vor unseren Gesprächen sich einer Hodenkrebs-Operation hätte unterziehen müssen. Und nun fragte er sich, ob diese schwere Erkrankung auf die vor drei Jahren ausgesprochenen letzten Worte seiner Frau zwar nicht ausschließlich, aber mit zurückzuführen wäre.

Tiefenpsychologische Erfahrung zeigt bekanntlich, daß solche und ähnliche Wünsche nur dann "auf fruchtbaren Boden fallen", wenn jemand bewußt oder unbewußt bereit ist, sich solchen negativen Einflüssen zu öffnen. 

I. "Jetzt machst Du einen Unfall, und dann ist alles vorbei!"

Mit 19 Jahren hatte Dietlinde ihren Führerschein gemacht und sich ein halbes Jahr später ein eigenes Auto kaufen können. Eines Abends war sie mit ihrem Wagen unterwegs, als sie fast gegen einen Baum gefahren wäre.

Dietlinde erzählte mir zwei Jahre später die damalige Situation, wobei sie noch keineswegs frei von der damals erlebten Situation war:

"Als ich eines Abends durch meinen Wohnort fuhr, dessen Straßen mir gut bekannt sind, hörte ich plötzlich eine Stimme, die mir zuflüsterte, ´jetzt machst Du einen Unfall, und dann ist alles vorbei!`

Meine Gegenreaktion war sofort: Weitermachen! Aber ich bekam weiche Knie, öffnete das Wagenfenster und schrie um Hilfe, und dann fuhr ich an dem Baum, gegen den ich hätte fahren können, mit 60 km/std vorbei."  

Schon mehrfach hatte Dietlinde in den letzten zwei Jahren Zeiten erlebt, zu denen sie am liebsten "Schluß gemacht" hätte. Für solche Gedanken gab es eine ganze Reihe von Gründen. Einer davon war der Tod ihrer geliebten Großmutter, von der sie aufgezogen worden war und an der sie sehr gehangen hatte. Aber es gab noch ein anderes Erlebnis. Dietlinde und ihr Freund Peter wollten in nächster Zeit heiraten. Beide hatten eine sehr tiefe Zuneigung zueinander gefunden. Wenige Wochen vor dem in Aussicht genommenen Hochzeitstermin erlitt Peter einen tödlichen Autounfall. Das war für Dietlinde ein erschütterndes Erlebnis, und sie kam nur sehr schwer über den frühen Tod des Freundes hinweg.  

Im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung, in die sich Dietlinde begab, nachdem sie die vorstehend genannte Stimme gehört hatte, wurde immer mehr deutlich, daß es sich wohl um die Stimme und die Worte des verunglückten Peter gehandelt haben mußte. Er wollte wohl die geliebte Freundin zu sich "nach drüben" holen, dann wären beide "auf ewig" miteinander vereint gewesen.  

Aber Dietlindes Lebenskraft war stark genug, um aus dieser lebensbedrohlichen Situation herauszufinden, und die psychotherapeutische Arbeit konnte sie darin unterstützen, wieder in das Leben hineinzufinden.  

 J. Der Segen Sterbender

Als der Tod der Eltern und sonstiger Familienangehöriger noch innerhalb der Familie und in den eigenen Räumlichkeiten erwartet wurde, gehörte es zu den Gepflogenheiten, daß der sterbende Vater und die sterbende Mutter ihre Kinder segneten. Dieser religiöse Brauch scheint in den Hintergrund getreten zu sein, seit heute vorwiegend in der nüchternen und kalten Atmosphäre von Krankenhäusern gestorben wird. Der Tote bleibt auch nicht mehr wie früher drei Tage und Nächte in seiner Wohnung oder seinem Haus, sondern er wird bereits kurze Zeit nach seinem Tode abgeholt und dann in einer Leichenhalle aufgebahrt.  

Wir können wohl davon ausgehen, daß das Segnen der jungen Generation durch die ältere nicht mehr sehr oft zu den üblichen Gebräuchen gehört, zumal der Tod in unserer Zeit so weitgehend wie irgend möglich verdrängt wird.  

K. Zwei besondere Festtage im Jahreslauf: Allerheiligen und Allerseelen

Wer kennt sie nicht, die seit Jahrhunderten im religiösen Brauchtum verankerten Feiertage "Allerheiligen" und "Allerseelen"?

Allerheiligen wurde in der christlichen Kirche seit Ende des 8. Jahrhunderts am 1. November gefeiert und zwar ursprünglich zu Ehren Marias und aller Märthyrer. Dieser Feiertag wurde nach der Reformation von der katholischen Kirche bis auf den heutigen Tag beibehalten. Verbunden mit Allerheiligen ist auch die Fürbitte bei den Heiligen um Schutz und Hilfe in schwierigen Lebenslagen.

Allerseelen wird am darauf folgenden 2. November als Gedächtnistag für alle verstorbenen Gläubigen gefeiert. Dieser Feiertag wurde seit dem 10. Jahrhundert besonders durch Abt Odilo von Cluny und dessen Reformbewegung der Kirche verbreitet.  

Um Allerheiligen und Allerseelen rankt sich ein reiches Brauchtum, besonders in den Alpenländern. An vielen Orten wird Allerseelen mit Allerseelen-Predigt, Lichtspende und Gräberbesuch begangen. In katholischen Gebieten ist der Besuch der mit Kränzen und Blumen geschmückten sowie mit Kerzen besteckten Familiengräber auch an Allerheiligen üblich. Das im Mittelalter entwickelte und von Klöstern, Pfarrhäusern und Spitälern aufgrund frommer Stiftungen kultivierte Brotspendewesen zugunsten der Armen und der Kinder im Gedenken an die Verstorbenen, lebt zum Teil heute noch fort.  

Es mag sein, daß die katholische Tradition sich den Verstorbenen mehr verbunden und verpflichtet fühlt, als andere Gemeinschaften der christlichen Kirche. Zu ihrem Brauchtum gehören beispielsweise auch die Totenmessen mit Gebeten zum Gedenken an Verstorbene und der religiösen Fürbitte für sie.  

L. Heutige Einsichten

Wir müssen heute davon ausgehen, daß mit dem Tod "nicht alles vorbei" ist. Vieles weist darauf hin, daß die Seele mit dem körperlichen Tod den Körper verläßt und sich von ihm löst. Auch die zahlreichen Berichte über Rückerinnerungen einzelner Menschen an frühere Existenzen im Sinne der Reinkarnation lassen darauf schließen, daß es ein Fortleben der Seele nach dem körperlichen Tod gibt.  

Die Erfahrung zeigt, daß viele Menschen den Tod als eine Art Feind erleben, der bekämpft werden müsse, um das Leben so lange wie möglich zu erhalten. Die heutigen, sehr weit fortgeschrittenen medizinischen und vor allem chirurgischen Methoden lassen auch erwarten, daß das durchschnittliche Lebensalter tatsächlich erhöht werden kann, aber auch bei einer Organtransplantation doch irgendwann der Tod eintreten wird.  

In meiner psychotherapeutischen Praxis habe ich es immer wieder erlebt, daß Verstorbene das Leben ihrer Hinterbliebenen in gewisser Weise beeinflussen können. Das kann einerseits im Sinne von Dank, Verehrung, Leitbildfunktion sein bis hin zur Warnung vor lebensbedrohenden Situationen oder dem Schutz davor; andererseits können die "Schatten der Verstorbenen" aber auch im Sinne von Schuldgefühlen, Aggressionen gegen sie und Angst vor ihnen bis hin zum Besetztsein des Körpers durch sie wirken.  

Lassen wir offen, ob es das Paradies, die Walhalla, das Nirwana, die ewigen Jagdgründe und sonstige ähnliche transzendente Räumlichkeiten gibt, in die eine menschliche Seele nach dem körperlichen Tod irgendwann eingehen wird.  

Aber soviel können wir wohl wagen zu sagen: Es scheint eine Art Zwischenreich "zwischen hier und drüben" zu geben. Verstorbene sind körperlich nicht mehr da, aber sie sind auch noch nicht aus dem irdischen Raum verschwunden. Da wird im religiösen Bereich von den "armen Seelen" gesprochen, die ihren Weg in die andere Welt noch nicht finden konnten oder wollten, irgendwie in der Materie hängen blieben. Da kennen wir auch seit Jahrhunderten die Vorstellung des Fegefeuers für sündhaftes oder angebliches negatives Verhalten, aus dem man nur durch göttliche Gnade befreit werden könne.  

Nun, das Fegefeuer entstammt kirchlich geprägten Vorstellungen. Aber kann es nicht so sein, daß Menschen in der Nachtod-Situation "drüben" über ihr bisheriges Leben nachdenken und am liebsten Manches nachträglich in Ordnung bringen wollten? Denken wir an körperliche und seelische Schmerzen, die anderen Menschen bereitet wurden, Versagenserlebnisse, Vermeidungshaltungen, mit in den Tod genommene Ressentiments und Aggressionen gegen andere Menschen. Etwas schuldhaft getan zu haben und nichts mehr korrigieren zu können, das ist sicher für manche Verstorbene wie etwas, das "auf den Nägeln brennt" oder "wie die Hölle".  

Aus meiner Sicht kann es nicht nur eine therapeutische Aufgabe sein, den Patienten selbst aus seinen Ängsten und von transzendenten Wesenheiten zu befreien, sondern die besetzenden Wesenheiten brauchen ebenfalls Hilfe, sich von ihren meist unwissenden Wirten zu lösen.

Der Weg der sog. Teufelsaustreibung in der katholischen Tradition scheint mir nicht der richtige Weg zu sein. Ähnliches gilt für die Einnahme von Psychopharmaka, die den Raum des Unbewußten in gewisser Weise betonieren.  

In meinen beiden Büchern "Das karmische Gedächtnis – Reinkarnation und neues Bewußtsein" (5) und "Wenn die Seele den Körper nicht gesunden läßt" (6) habe ich zu zeigen versucht, daß es Möglichkeiten gibt, die Patienten zu unterstützen, sich von Verstorbenen und anderen Wesenheiten zu befreien. Das kann jedoch nicht so sein, daß so etwas wie "Teufelsaustreibung" stattfindet, sondern diesen transzendenten Wesenheiten muß ebenfalls geholfen werden, daß sie ihren Weg auf friedliche und versöhnliche Weise in die "andere Welt" finden. Solche Hilfen können im Rahmen von Tiefenentspannung und Visualisierungstechniken, Lichtmeditation, Reiki-Healing, der meditativen Einstellung auf heilende Lichtstrahlen bis hin zur Reinkarnations-Therapie geleistet werden.  

Der Geobiologe wird sicher in dem einen und anderen Fall gut daran tun, in seine Forschung auch die Frage aufzunehmen, ob Verstorbene das Milieu einer Wohnung oder eines Hauses in irgendeiner Weise beeinflussen können. Sollte es so sein, dann ist außer der geobiologischen Messung und Beratung auch an weiterführende Hilfen zu denken. Dazu können religiöse und spirituelle Riten gehören, das Segnen der Räumlichkeiten, das Entzünden von Räucher-stäbchen, die Lichtmeditation im Sinne des Reiki-Healing, die Fürbitte den Verstorbenen.  

In unserem "Haus Waldesruh am Sommerberg" in Bad Wildbad sind wir darauf eingerichtet, Patienten mit solchen oben erwähnten und ähnlichen Beschwerden während der Behandlungszeit im Gästehaus aufzunehmen und mit ihnen täglich sowohl mit den üblichen psychotherapeutischen als auch alternativen heilenden Methoden zu arbeiten.  

___________________________________________________________________________

Literatur:

1. Fiori, E., The unquiet Dead - A psychologist treads spirit possession. 2.A., New York 1988.

2. Fiori, E. Besessenheit und Heilung – Die Befreiung der Seele. Mit einem Vorwort von Raymond A. Moody jr., M. D. Aus dem Amerikanischen von Gisela Bongart. 2. A. Güllesheim 1999.

3. Weltgesundheitsorganisation, Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10, Kapitel V (F). S. 178, 2.A., Göttingen 1993.

4. a.O., S. 182.

5. Ebertin, B. R., Das karmische Gedächtnis - Reinkarnation und neues Bewußtsein. 4. A., Bad Wildbad 2002.

6. Ebertin, B. R., Wenn die Seele den Körper nicht gesunden läßt.

 
"... Wege zur Gesundheit!" | © 2004-2017 Dr. phil. Baldur R. Ebertin | info@ebertin-stuttgart.de | Kontakt | Impressum