Ein Schlüssel zum Unbewussten – Der Tu-Anima-Bildertest


A. Die Ausdruckskunde

Ist es nicht in hohem Maße aufschlussreich für Diagnostik und Therapie, wenn wir das Gesicht eines Patienten, seine Hautfarbe, sein Verhalten in unseren heilkundlichen Blick einbeziehen? - Nun ja, werden Sie sagen, denken wir doch nur daran, wie wir aus der Antlitz-Diagnostik Hinweise für die Auswahl der biochemischen Mittel nach Dr. Schüßler gewinnen! Das ist praktische Ausdruckskunde!
Auch wenn ein Baum, ein Haus, eine Person gemalt wird, können aus Größe, Form, Strichart, Farbe Schlüsse auf Stimmung und Charakter-Struktur des Zeichners gezogen werden. Denken wir beispielsweise an den Baumtest des Psychologen Karl Koch (1), mit der Anweisung: „Zeichnen Sie einen Obstbaum!“

B. Das meditative Malen

Einen ganz anderen Weg der Diagnostik finden wir in dem Tu-Anima-Bildertest des Arztes, Malers und Kosmobiologen Dr. Heinrich Reich. Bei der Anwendung dieses Tests muß vom Patienten nichts geleistet, gezeichnet oder sonst wie gestaltet werden; der Patient wird in seinem Gefühl, seinem Gespür, wie man bayrisch sagen würde, angesprochen. Er wählt aus 36 abstrakten Bildern 12 sympathische und 12 unsympathische aus, 12 „schöne“ und 12 „hässliche“, und letztlich greift er noch das sympathischste und das unsympathischste Bild heraus. Das ist alles, was der Patient „leisten“ soll.

H. Reich begann um die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts damit, sich meditativ auf Ursymbole der Menschheit, im Sinne der Archetypen, wie C. G. Jung sie nannte, einzustellen. In der Meditation auf Symbole wie Lebensflamme, Sonne, Mond, Alpha, Omega, Schlange, Kind, Ring, Distel, Ähre entstanden Gemälde, die aus einer Art Innenschau zu abstrakten Bildern gestaltet worden waren. Im Laufe der Jahre gewann Reich aus der Art der Reaktionen seiner Patienten auf seine Bilder den Eindruck, daß er mit ihnen einen tiefenpsychologischen Test geschaffen hatte. Seine reichen Erfahrungen mit dem Testlegte Reich in einer Reihe von Veröffentlichungen nieder, besonders in seinem Buch „Seelenbilder – Strukturanalyse der Seele durch gegenstandsfreie Bilder“ (02). In seinem Beitrag „Durchleuchtung der Seele“ (03) führte Reich dazu aus:

 „Während der Intellekt sich der Worte und Begriffe bedient, muß die Seele zu Symbolen greifen, um Unsagbares verständlich zu machen. Solche Symbole finden sich in der Astrologie als Planeten- und Tierkreiszeichen, zum Beispiel Sinnbilder für das Aggressive (Mars), das Joviale (Jupiter), das Mütterliche (Mond) oder ein Quadrat für eine Spannung und ein Trigon für eine Harmonie. Andere Symbole sind etwa „Ring“ für eheliche Partnerschaft oder „Messer“ für gewaltsame Trennung oder „Herz“ für Liebe ... Sollte es möglich sein, diese seelischen Strukturen, wie sie sich in Symbolen ausdrücken, in gegenstandslosen Farb-Form-Komplexen darzustellen, so müsste auch der Versuch gelingen, durch Wahl oder Ablehnung solcher Bilder auf Grund von Sympathie oder Antipathie auf seelische Haltungen zu schließen. Es wurden gegenstandslose Bilder gemalt in der festen Absicht, einen besonderen Bestandteil des Innenlebens darzustellen. Demut oder Stolz, Koketterie oder Mütterlichkeit, Freiheit oder Zwang, nur mit Farben und Linien, also modern im besten Sinn. Tatsächlich hat sich experimentell in hunderten von Versuchen an Menschen jeglichen Alters, Geschlechts und Bildungsgrades erwiesen, daß aus diesen gegenstandslosen Bildern, unbewusst natürlich, gefühlsmäßig und vielleicht sogar spielerisch, diese in den Bildern heraus-meditierten Symbole erkannt werden. Wie im Röntgenbild der innere Aufbau, die Größe und Lage von Organen und Fremdkörpern zur Darstellung kommt, so müssen sich also in diesen Röntgenbildern der Seele durch die Wahl nach Zuneigung oder Abneigung Schlüsse auf die Struktur der Seele ziehen lassen."

 C. Was ist ein Symbol?

Tagtäglich gehen wir mit Zeichen, Bildern, Symbolen um, ohne daß uns dies ständig bewußt sein müsste. Die Verkehrszeichen oder die Logos auf Bahnhöfen und Flughäfen haben Symbolcharakter. Urtümlicher als diese Schilder wirkt z. B. der Ring als Zeichen der Freundschaft, der Verbundenheit, der Partnerschaft; oder denken wir an das Kreuz des Christentums. Überall, wo christliches Brauchtum, christliches Gedankengut, christliche Kultur eine Rolle spielen, in Kirchen, Klöstern, Schulen, Häusern und Wohnungen, finden wir das Symbol des Kreuzes. Ein Symbol sagt erfahrungsgemäß wesentlich mehr aus, als in Sprache und Worte gefasst werden kann. Seine Facetten können so umfangreich sein, daß jeder Versuch, eine prägnante Formulierung für seine Inhalte zu finden, scheitern muß. Reich ging nach dieser und einer Fülle weiterer Erfahrungen davon aus, daß die von ihm meditierte Symbolik und ihre künstlerische Darstellung beim Betrachter bestimmte Reaktionen auslösen müsste. Er bezeichnete deshalb den aus der Praxis entstandenen Test als ein „Evokations-Verfahren“ (evocare, lat., hervorrufen) und führte dazu aus:

„Es ist also so, daß unser Test, wie die Erfahrung zeigt, eine besondere Spezifität oder Resonanz zur Dynamik seelischer Strukturen besitzt und daher sehr häufig zu seelischen Situationen paßt, wie der Schlüssel zu einem Schloß und nicht etwa wie ein Dietrich, sondern wie ein genau passender Schlüssel“ (4).

D. Ist die Durchführung des TUA-Tests zeitsparend?

Ja! Die 36 Symbolkarten werden vor den Patienten hingelegt, am besten 4 Reihen mit jeweils 9 Bildern. Daraus werden 12 sympathische und 12 unsympathische Testkarten ausgewählt, die restlichen 12 werden dann weggelegt, sie gelten als neutral. In einer zweiten Wahl ist das sympathischste und das unsympathischste Symbolbild auszuwählen, woraus sich eine Art Grundspannung des Patienten ergibt.Diese geschilderten Wahlvorgänge werden vom Patienten in wenigen Minuten bewältigt, und das Testprotokoll mit der Aufzeichnung der Bildnummern ist ebenfalls schnell erledigt.

Für die Bewertung der sympathischen und unsympathischen Symbolkarten liegen ausführliche Interpretationen vor, die noch durch jeweils 3 Fragen, die der Behandler dem Patienten stellen kann, ergänzt werden (5). Gemessen daran, wie lange man als Behandler brauchen kann, bis manche Patienten die Bereitschaft und das Vertrauen aufgebaut haben, auch sehr intime und meist zunächst unbewußte Themen zu besprechen, erlauben die ausgewählten Symbolbilder und ihr Deutungsgehalt wesentlich schneller als mit der Anamnese allein, an die meist verdrängten Hintergründe der Beschwerden, Schmerzen und Krankheiten heranzukommen.

E. Welche Bereiche der Persönlichkeit können erfasst werden?

Nach dem gegenwärtigen Stand der TUA-Diagnostik können nach meinem Dafürhalten wesentlich mehr Persönlichkeitsbereiche erfasst werden, als Dr. Reich zu seinen Lebzeiten ahnen konnte. Auch gegenüber anderen üblichen Testmethoden können die einzelnen Persönlichkeitsbereiche sehr differenziert herausgeschält werden.
Natürlich hängt die Qualität der Aussagemöglichkeiten neben den im Buch „Schlüssel zum Geheimnis der Seele“ (6) gegebenen Interpretationen auch von der Fähigkeit des Behandlers ab,mit der Symbolsprache umgehen zu können;darüber hinaus ist es wichtig, sich in die bisherige Lebensgeschichte des Klienten oder Patienten einzufühlen und sie mit den Testaussagen sinnvoll zu kombinieren. Folgende Dimensionen der Persönlichkeit lassen sich also erkennen (7):

  • Wie stehen die Menschen zu sich selbst?
  • Wie stehen sie zu ihrer Mitwelt?
  • Die Individuelle Einstellung zu Gesundheit und Krankheit
  • Wille und Leistung, Erfolg und Misserfolg
  • Aggression und Wut, Verzeihung und Versöhnung
  • Die Welt der Phantasien und Ideen
  • Verzicht und Trauer
  • Leben und Tod
  • Religiöse Einstellung
  • Das Leben und Erleben von Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit

F. Die Seelenbilder „Stehende Säule“ und „Gebrochene Säule“

Die Zeit spielt im menschlichen Leben erfahrungsgemäß eine große Rolle, seien es die Vergangenheit mit bisherigen Erlebnissen und Erfahrungen, die Gegenwart mit dem erreichten Reifungsstand, die Zukunft mit den auf sie gerichteten Sehnsüchten, Wünschen und Motivationen. Diese drei Zeiten sind im TUA-Test erfasst. Als Beispiele werden nachstehend die Symbolbilder für die Vergangenheit und die Gegenwart gezeigt und deren Deutungsgehalt offengelegt:
Wird in der Testsituation das Symbolbild „Gebrochene Säule“ als sympathisch erlebt, dann läßt sich daraus schließen, daß der Patient bereit ist, Rückschau auf seine bisherige Vergangenheit zu nehmen, sich zu besinnen und zu erinnern. Dabei kann es sein, daß frühere Erlebnisse und Erfahrungen noch nachschwingen, vielleicht sogar im tiefsten Innern „brodeln“, aber sie wollen nochmals angesehen und verarbeitet werden.

Symbol Gebrochene Säule
Symbol Stehende Säule

Wird jedoch die „Gebrochene Säule“ abgelehnt, dann will der Patient mit seiner Vergangenheit nichts mehr zu tun haben. Frühere Traumata werden dann in die tiefsten Seelenschichten verdrängt, ohne nachträglich aufgearbeitet werden zu wollen.
Eine der Folgen hieraus kann sein, daß im Laufe der Zeit erhebliche Herz- und Kreislauf-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Angstzustände bis hin zu rheumatischen Schmerzen entstehen.
Die Gegenwart wird durch das Symbol „Stehende Säule“ repräsentiert. Sympathie für diese Testkarte ist dann so zu interpretieren, daß „hier und jetzt“ die anstehenden Aufgaben und Probleme angegangen werden wollen. Es besteht also die Bereitschaft, „den Stier bei den Hörnern zu fassen“.
Das als unsympathisch abgelehnte Symbol „Stehende Säule“ vermittelt den Eindruck, daß die Gegenwart nicht akzeptiert, „der Kopf in den Sand gesteckt“ werden will, günstige Gelegenheiten übersehen, vertrödelt werden oder ungenutzt bleiben.

G. Das Symbol „Schlange“ und die Reifungsprozesse

Jeder von uns hat sicher schon Situationen erlebt, die zunächst unangenehm und beunruhigend waren; aber nach einiger Zeit konnte erkannt werden, daß ein wichtiger Reifungsprozeß für die Persönlichkeitsentwicklung anstand, ähnlich einer Krankheit wie Röteln, Masern oder Scharlach, nach deren natürlicher Überwindung sich eine Häutungs- und Regenerationsphase ergab.
Solche Häutungsphasen können sich körperlich, seelisch, aber auch symbolisch zeigen. Was den TUA-Test angeht, verbindet sich damit das Symbol der Schlange. Diese muß bekanntlich von Zeit zu Zeit ihre alte, harte und zu klein gewordene Haut abstreifen und der neuen, zunächst noch weichen Haut weichen.
Wie dieser Häutungsprozeß auf der seelisch-geistigen Ebene aussehen kann, können wir aus der sympathischen oder unsympathischen Wahl des Symbolbildes „Schlange“ erfahren. Deshalb nachfolgend ein Auszug aus den entsprechenden Interpretationen, wenn das Schlangensymbol gewählt wurde (8, 9):

Symbol Schlange

1. Die „sympathische“ Schlange
Wird dieses Symbol als sympathisch gewählt, dann wird damit deutlich, daß eine Phase der Veränderung, der Wandlung, der Erneuerung ansteht und auch angenommen werden will. Der Tiefenpsychologe C. G. Jung würde in einem solchen Fall den Wunsch nach „Individuation“, Selbstwerdung, erkennen.

2. Die „unsympathische“ Schlange
Das abgelehnte Schlangensymbol läßt vermuten, daß gegenwärtig ein Reifungsprozeß abgelehnt wird, der Patient von irgendwelchen anstehenden Veränderungen nichts wissen will und es bevorzugt, die „alte Haut“ zu behalten und bisherige Verhaltensweisen zu behalten:Der Mensch ist bekanntlichein „Gewohnheitstier“! Die bisherigen Lebensumstände gelten dann als bekannt, frei von irgendwelchen Verpflichtungen zur Veränderung, es will im „alten Trott“ weitergelaufen werden, so wie der „alte Karrengaul“.

 H. Gesundheit und Krankheit

Wer mit Patienten umgeht, wird natürlich mit der Polarität von Gesundheit undKrankheit konfrontiert. Im Allgemeinen können wir davon ausgehen, daß Patienten wieder gesund werden wollen, wenn sie unter Beschwerden, Schmerzen, Krankheiten leiden. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß auch Beschwerden einen „positiven“ Wert erhalten können: Akute und vor allem chronisch gewordene Krankheiten können das Freiwerden von bisherigen Pflichten bedeuten; der Leidende erfährt Mitgefühl, Mitleid, Anteilnahme, Hilfe, Unterstützung durch die Mitwelt, und denken wir nur an das Wort von der „Flucht in die Krankheit“. So kann die Frage entstehen, ob mit Hilfe des TUA-Tests bestimmte Hintergründe für das Festhalten an Beschwerden bis hin zu Ängsten und Vermeidungshaltungen erkannt werden können. Diese Frage kann beantwortet werden, wenn mit dem Patienten der TUA-Test durchgeführt und mit bisheriger Lebens- und Krankengeschichte verbunden werden kann. Es sind vor allem zwei Symbolbilder, die allein oder auch in der Kombination mit anderen Symbolen Aussagen über die Vitalität im weitesten Sinne zulassen.

1. Das Symbol der Lebensflamme
Dieses Symbol steht für die Einstellung zum eigenen Leben und den lebenserhaltenden Kräften. Wird es als sympathisch gewählt, wird das Leben mit seinen täglichen Aufgaben bejaht. Wird es abgelehnt, dann muß vermutet werden, daß die Lebensfreude erheblich gedrückt ist.

2. Das Symbol der Sonne
Damit werden Lebenskraft, Konstitution, Körper, Herz, Blutkreislauf, Vitalität erfasst. Die sympathische Wahl läßt auf den Wunsch schließen, gesund, vital, stark, den Anforderungen des Lebens gewachsen zu sein.

Wird das Sonnensymbol abgelehnt, muß vermutet werden, daß alles, was mit Konstitution, Blutkreislauf, Gesundheit zusammenhängt, eingeschränkt oder sogar blockiert ist. Der Patient kann trotz bester Therapie nicht gesund werden!

I. Symbol-Kombinationen

Aufbauend auf den ursprünglich von H. Reich gegebenen knappen Grunddeutungen zu den 36 Seelenbildern im Sinne von Schlüsselworten, entstanden aus meiner täglichen Arbeit mit Klienten und Patienten im Laufe der Jahre weitere Erfahrungen.Dr. Reich und seine Mitarbeiterin, Thilde Knoellinger, hatten bereits erkannt, daß nicht nur das einzelne Symbolbild interpretiert werden konnte; vielmehr ergaben sich aus der Kombination von zwei und mehr Symbolen sehr individuelle und differenzierte Vernetzungen. Dafür ein Beispiel:Eine junge Frau wählte das Venus-Symbol (I – 6) als sympathisch. Das bedeutet, daß die weibliche Rolle angenommen werden will. Sie erlebte dagegen das Symbol der Weintraube (III – 22), das für genießen wollende Lebensfreude steht, als unsympathisch. Daraus war zu schließen, daß weibliche Erfüllung trotz des Wunsches, Frau zu sein, kaum oder gar nicht möglich war.

Diese und andere Erfahrungen führten aus meiner psychotherapeutischen und heilkundlichen Arbeit mit dem TUA-Test im Laufe der Jahre zu einer Modifizierung, Vertiefung und Ergänzung der Deutungskriterien und damit zu 72 ausführlichen Interpretationen für sympathische und unsympathische Bildwahlen, die seit Erscheinen des Buches „Im Dialog mit der Seele“ (10) noch differenzierter ausgearbeitet wurden und in der zweiten Auflage unter dem Titel „Schlüssel zum Geheimnis der Seele – mit dem Tu-Anima-Bildertest“ (11) vorgestellt werden. Die Texte sind so abgefasst, daß nicht nur ein Behandler, sondern auch ein interessierter Laie die Symbolsprache der Testbilder nachvollziehen und verstehen kann.
Allein schon aus der Kombination von zwei Symbolbildern ergeben sich vier Kombinationsmöglichkeiten. Dazu sollen die Kombinationen der Symbole „Venus“ und „Weintraube“ genannt und besprochen werde:

+Venus (I – 6)      +Weintraube (I – 22)
+Venus                   - Weintraube
- Venus                   +Weintraube
- Venus                   - Weintraube

Das Pluszeichen steht für die sympathische, das Minuszeichen für die unsympathische Symbolwahl.

1. + Venus + Weintraube
Ein Mann zeigt mit diesen Bildwahlen zeigt, daß er eine Partnerin in ihrer Weiblichkeit sucht und nach erotisch-sexueller Erfüllung strebt.
Eine Frau signalisiert mit dieser Bildwahl, daß sie sich mit ihrer Weiblichkeit und Hin-gabebereitschaft annimmt und für erotisch-sexuelle Erfüllung offen ist.

2. + Venus - Weintraube
Ein Mann wünscht sich die Begegnung mit einer Frau, aber er vermeidet oder verdrängt es, zu seiner erotisch-sexuellen Erfüllung zu kommen.
Eine Frau will sich einem Partner hingeben, traut sich aber keine erotisch-sexuelle Erfüllung zu, hat Angst davor oder neigt zu einer Selbstbestrafung, daß sie also aus einer Reihe von Gründen Erfüllung nicht verdient habe.

3. - Venus + Weintraube
Ein Mann lehnt eine Frau in ihrer Weiblichkeit ab, wünscht sich aber trotzdem erotisch-sexuelle Erfüllung. Es zeigt sich eine Diskrepanz zwischen der unerwünschten Annahme einer Partnerin und der erstrebten erotisch-sexuellen Vereinigung.
Eine Frau lehnt sich selbst in ihrer Weiblichkeit ab, wünscht aber trotzdem das erotisch-sexuelle Genießen.

4. - Venus - Weintraube
Ein Mann lehnt alles Weibliche ab und verdrängt auch erotisch-sexuelle Wünsche. Erfüllung ist damit kaum möglich.
Eine Frau lehnt ihr eigenes Geschlecht sowohl seelisch als auch körperlich ab und kann aus ihrer Abwehrhaltung heraus auch keine Erfüllung finden.

Nicht nur in der psychologisch-psychotherapeutischen, sondern auch in der ärztlichen und heilkundlichen Praxis treten häufig Beschwerden, Schmerzen, Ängste, Krankheiten auf, die mit verdrängter Erotik und Sexualität verbunden sein können.
Die weitgehenden Differenzierungsmöglichkeiten des ausführlich interpretierten TUA-Tests können hier nur andeutungsweise skizziert werden. Im Buch selbst werden Beispiele mit über 600 Kombinationsmöglichkeiten gegeben.
Immer mehr gewann  ich im Laufe meiner Praxistätigkeit den Eindruck, daß die Seelenbilder wesentlich mehr Dimensionen der menschlichen Persönlichkeit entdecken lassen, als H. Reich zu seinen Lebzeiten (1888 – 1961) erkennen konnte.
Da und dort stehen wir vor der Frage, warum bewährte Behandlungsmethoden beim Patienten nur mit wechselndem Erfolg oder auch gar nicht anschlagen. Natürlich können wir vermuten, daß wir entweder die falsche Therapie gewählt haben oder der Patient seine Symptomatik simuliert oder letztlich auch gar nicht gesund werden will. Aber wer will schon krank sein oder bleiben? Bewußt sicher nicht! Mit Hilfe der als sympathisch oder unsympathisch gewählten Symbolik ist es möglich, an die Hintergründe von Blockaden, die der Gesundung im Wege stehen, heran zu kommen.

J. Können und sollen psychologische Tests in der Heilpraxis angewendet werden?

Die Anforderungen an Ärzte, Heilpraktiker, Psychologen, Psychotherapeuten bis hin zu Ernährungsberatern  steigen  ständig an.  Immer  mehr  Krankheitsbilder, neue Diagnose- und Therapieverfahren veranlassen zu ständiger Fortbildung. Die Überprüfungen der Heilpraktiker-Anwärter bei den Gesundheitsämtern lassen da und dort an die Staatsexamen der Mediziner denken, und in den Multiple Choice-Fragebogen erscheinen zu ca. 20% Fragen aus den Bereichen  der Psychologie, Neurologie und Psychiatrie.
Im Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH) finden wir Ziffern für die psychologische Exploration, die Psychodiagnostik bis hin zu psychologischen Gutachten. Unter der Ziffer 19.6 wird auch der TUA-Test von Dr. Heinrich Reich erwähnt. Aber wie viele Heilpraktiker arbeiten mit diesem Test und besprechen die erhaltenen Ergebnisse mit ihren Patienten? Durch entsprechende Information wird sich das ändern lassen! 

K. Zusammenfassung

Der TUA-Test kann als ein sprachfreier Projektionstest angesehen werden. Die betrachteten Symbolkarten wirken allem Anschein nach auf die unbewussten Seelenschichten und bewirken ein Gefühl der Sympathie, Antipathie oder Neutralität.
Es werden die Symbole als sympathisch erlebt, mit deren Inhalt sich der Patient identifizieren kann, sei es im Sinne von Wünschen, Sehnsüchten, Motivationen.
Dagegen werden die Symbole als unsympathisch erlebt, mit deren Inhalt sich Angst, Vermeidungshaltungen, Verdrängungen bis hin zu unbewussten Todeswünschen verbinden.
Was als neutral erlebt wird, hat gegenwärtig keine Bedeutung, der Betrachter kann mit dem dahinter stehenden Symbolinhalt nichts anfangen. Das kann sich jedoch bis zu einer weiteren Testaufnahme auch ändern.
Der TUA-Test kann einerseits in der beratenden Tätigkeit (Erziehungs-, Ehe-, Berufs- und Unternehmens-Beratung) eingesetzt werden; andererseits liegt eine Domäne der Anwendung in der ärztlichen, heilkundlichen und psychologisch-psychotherapeutischen Praxis.

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 Literatur

  1. Koch, K., Der Baumtest. Der Baumzeichenversuch als psychodiagnostisches Hilfsmittel. 10. A., Göttingen 2000.
  2. Reich, H., Seelenbilder. Strukturanalyse der Seele durch gegenstandsfreie Bilder. Lehrbuch des TUA-Testverfahrens und einer experimentellen Malerei. Geleitwort Dr. A. Sicker. Zürich 1960.
  3. Reich, H., Durchleuchtung der Seele, in Ztschr. Der Psychologe (Hrsg. G. H. Graber, H 6, Bd 3, Bern 1951.
  4. Reich, Seelenbilder, S. 32, a.a.O.
  5. Ebertin, B., Schlüssel zum Geheimnis der Seele – mit dem Tu-Anima-Bildertest. S. 112ff. 2. A., Bad Wildbad 2006. (1. A. unter dem Titel „Im Dialog mit der Seele – mit dem Tu-Anima-Bildertest)
  6. Ebertin, B., Schlüssel, a.a.O., S. 40 – 111 und S. 121 – 185.
  7. Ebertin, a.a.O., S. 112ff.
  8. Ebertin, S. 93, a.a.O.
  9. Ebertin, S. 92, a.a.O.
  10. Ebertin, B. R., Im Dialog mit der Seele – mit dem Tu-Anima-Bildertest. 1. A., Freiburg/Br.1995.
  11. Ebertin, B. R., Schlüssel, a.a.O.
 
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