Mobbing

Mobbing - oder wie aus Kränkungen Krankheit entsteht

Es werden heute 5 Arten von Verhaltensweisen (H. Leymann) unterschieden, wie Menschen sich untereinander, vor allem in den Betrieben und beim Kampf um den Arbeitsplatz, "mobben" können:

  • Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen
  • Angriffe auf die sozialen Beziehungen
  • Angriffe auf das soziale Ansehen
  • Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation
  • Angriffe auf die Gesundheit

Historische Hintergründe: Mobbing ist nur eine neue Variante

Von jeher wurden Menschen gedemütigt, verfolgt, vernichtet, wenn sie nicht den Verhaltensmustern des Zeitgeistes der jeweiligen Majorität entsprachen. Gründe konnten äußerliche Merkmale sein wie Rasse, Hautfarbe, körperliche Auffälligkeiten bis hin zu Behinderungen, andere als übliche Religionsformen und Lebensanschauungen. Denken wir in den letzten Jahrhunderten nur an das Haut- und Rassenproblem zwischen Weiß und Schwarz, Weiß und Rot, an Verfolgungen wegen unterschiedlicher religiöser Einstellungen bis hin zu den Verbrennungen auf den Scheiterhaufen von sog. Hexen, Häretikern und sonstigen Menschen, die von der üblichen Norm abwichen.

Eine repräsentative schwedische Untersuchung 1990 ergab, daß 3,5 - 4% der arbeitenden Bevölkerung für die Dauer von durchschnittlich 15 Monaten von Mobbing betroffen und Männer wie Frauen in nahezu gleichem Maße dem Mobbing ausgesetzt sind. In Deutschland spricht man inzwischen von ca. 1 Million Berufstätiger, die dem Mobbing ausgeliefert sein können. Das entspricht der Zahl der Alkoholiker am Arbeitsplatz.

In seinem grundlegenden Buch "Mobbing - Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann" gibt H. Leymann die folgende Definition für Mobbing:

"Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen."

Heilkundlich gesehen sind vor allem die Angriffe auf die Gesundheit besonders wichtig, jedoch wirken sich alle genannten Angriffe nicht nur in zwischenmenschlichen und beruflichen Störungen, sondern letztlich auf die körperliche und seelische Gesundheit aus. Leymann führt dazu selbst aus:

"Es gibt eine ganze Palette von Gemeinheiten, die sowohl wirtschaftliche als auch psychische Folgen für das Opfer haben.

Plötzlich steht die Straße vor dem Haus des Betroffenen voller Taxis oder es treffen Waren ein, die das Opfer nicht bestellt hat. Eines Tages ist der Briefkasten voller Kot oder am Arbeitsplatz wird etwas zerstört, woran der Betroffene gerade arbeitet. Die Kreativität mancher Menschen scheint in dieser Hinsicht keine Grenzen zu kennen. 

Es ist nicht ungewöhnlich, daß Opfer auch physisch bedroht werden. Man kündigt einen "Denkzettel" oder bestimmte körperliche Repressalien an. Solche Drohungen können auch als ‘Scherz’ getarnt sein, zum Beispiel in dem Fall, bei dem zwei Kollegen mehrfach einen schweren Karren in Richtung des Mitarbeiters stießen, wenn gerade kein Zeuge in der Nähe war.

Aus den USA sind einige Mordfälle bekannt, bei denen die polizeilichen Ermittlungen darauf hindeuteten, daß zur Vorgeschichte Mobbing gehörte. In Europa wissen wir von einem derartigen Fall, wo in einem deutschen Dorf Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz einen Mord auslösten. Auch in Österreich ist kürzlich ein Fall bekannt geworden. Insgesamt sind jedoch schwere Angriffe sehr selten.

Mobbing bedeutet, daß dem Opfer zentrale soziale Möglichkeiten am Arbeitsplatz genommen werden. Es ist ein direkter, über lange Zeit andauernder Angriff auf die Möglichkeit, sinnvoll zu kommunizieren, auf die sozialen Beziehungen und das gesellschaftliche Ansehen, auf die Möglichkeit des Opfers, seinen Beruf auszuüben, und auf seine Gesundheit."

Die Ebenen des Mobbing

Aus den verschiedenen Kommunikations- und Koordinationsstufen eines Unternehmens ergeben sich nach Leymann die folgenden Übergriffe:

  • Übergriffe von Kollegen
  • Übergriffe von Untergebenen gegen einen Vorgesetzten
  • Übergriffe eines Vorgesetzten gegen Untergebene
  • Sogenannte Rechthabereien
  • Sogenannte ‘systembedingte’ Unterdrückung (Bürokratismus, Gesetze, Verordnungen und deren Vertreter, gegen die angekämpft wird) 

Die gesundheitlichen Schäden

Mobbing-Opfer klagen nach einer gewissen Zeit, in denen sie dem Mobbing ausgesetzt waren, häufig über unspezifische Symptome. Dazu gehören:

  • Magendrücken
  • Schlafstörungen
  • Innere Unruhe
  • Feuchte Hände
  • Zitternde Knie
  • Mund-Trockenheit
  • Herzrasen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Erschöpfungszustände 

Die Erfahrung zeigt aber auch, daß sogar Selbstmordversuche bis hin zu Selbstmorden durch Mobbing möglich sind bis hin zu psychiatrisch-neurologischen Symptomen, z. B.:

  • Häufige Angstzustände
  • Alpträume
  • Globusgefühl im Hals
  • Verfolgungszustände
  • Antriebslosigkeit
  • Kontaktarmut
  • Zittern
  • Depressionen 

Wie kann man sich gegen Mobbing schützen?

Für den einzelnen Mitarbeiter im Betrieb ist es zur Vermeidung von Mobbing nötig, folgende Persönlichkeitsmerkmale zu entwickeln und zu fördern:

  • Bewußt Erfolgserlebnisse schaffen und daraus
  • Selbstvertrauen und Selbstsicherheit entwickeln.
  • Sich ermutigen zu eigener Initiative.
  • Fortbildungsmöglichkeiten nützen.
  • Kollegialität fördern.
  • Konfliktfähig werden,
  • Konflikte ertragen lernen. 

Es gibt heute zahlreich Literatur, die im weitesten Sinne persönlichkeitsbildend wirkt und damit hilft, unqualifizierte Angriffe auf die eigene Person und die erarbeiteten Leistungen abzuwehren. Da und dort ist unterstützend psychotherapeutische und heilkundliche Hilfe notwendig.

 
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