Die Ausdruckskunde ist ein Teilgebiet der Psychologie. Sie ist für jedermann, der mit Menschen zu tun hat, wichtig. Die Ausdruckskunde dient dazu, aus Körperbau, Architektonik des Schädels, Formen der Hand als statischen Merkmalen, Mimik, Gestik, Gebärden, Sprechstimme, Pantomime als dynamischen Merkmalen, Handschrift, Zeichnungen, Bildern, Werkgestaltungen als geschaffenen Merkmalen Rückschlüsse zu ziehen auf Charakter-Struktur und Lebensgrundstimmung, augenblickliche Stimmungen, Gefühle, Affekte, bewußte und unbewußte Signale für innerseelisch ablaufende Prozesse (z. B. Freude, Trauer, Denken, Erinnern, Vergessen, Agieren, Reagieren, Handeln, Aggression, Frustration, Resignation, Depression) Innerlich laufen dazu organische Prozesse bis hin zu psycho-somatischen Erkrankungen ab, z. B. Erröten, Blaßwerden (käseweiß werden), verringerter oder verstärkter Speichelfluß, Atembeschwerden, Druck auf der Brust, Reaktionen im Magen (verringerte oder erhöhte Magensaft-Sekretion), Galle (verringerter oder verstärkter Gallefluß), Darm (Durchfall, Verstopfung), Blase (Harnverhaltung oder häufiger Harndrang). Eine verschobene Körperachse nach vorn, nach hinten oder seitlich, eine einseitige stärkere Belastung eines Beines, können Ausdruck von Schon- und Vermeidungshaltungen, Schmerzen an Wirbelsäule, Schultern, Hüfte und Becken, Oberschenkel-, Knie- und Fußgelenken sein. Deshalb ist die Art zu stehen und sich zu bewegen von außerordentlichem diagnostischem Wert vor allem bei Beschwerden, Schmerzen und Erkrankungen des Bewegungs-Apparates (Skelett, Glieder, Muskulatur). Bei der Aufnahme der bisherigen Lebens- und Krankengeschichte wie auch der körperlichen Untersuchung spielt die Ausdruckskunde eine große Rolle. Das geschulte Auge des Behandlers kann mit ihr bereits erste diagnostische Hinweise auf die Beschwerden eines Patienten gewinnen.